China-Schwiegertochter
Petra Häring-Kuan: Meine chinesische Familie - Dreißig Jahre Wandel in China
Ein tolles Buch! Gleich von den ersten Zeilen wurde ich eingefangen und bis zur letzten Seite habe ich es mit Freude, Schmunzeln und lautem Lachen gelesen.
Petra Häring-Kuan, vielen China-Reisenden bekannt durch den Kunstreiseführer »China« oder den »Kultur-Knigge China«, die sie zusammen mit ihrem Mann Kuan Yuqian verfasst hat, beschreibt in diesem Buch ihre Erlebnisse mit der chinesischen Familie, die sie durch ihre Heirat bekommen hat, im Spiegel der Wandlungen, die China seit 20 Jahren durchlebt.
Das Buch beginnt stürmisch mit einem hektischen Aufwachen in Hongkong, 1981. Petra Häring-Kuan und ihr Mann wollen nach China einreisen und haben verschlafen. Kuan Yuqian durfte zum ersten Mal seit 13 Jahren, seit seiner Flucht während der Kulturrevolution, wieder in sein Heimatland und wollte nun seiner Familie seine Frau vorstellen. Nachdem beide mit Mühe, Glück und Hilfe von Freunden und Bekannten dann doch noch in einem Zug von Guangzhou nach Beijing sitzen, springt die Geschichte zurück zu der Zeit, in der die Autorin ihren zukünftigen Mann kennen lernte.
Von nun an erzählt Petra Häring-Kuan ihr Leben mit Kuan Yuqian, der in Hamburg zuerst studierte und später an der Universität lehrte. Sehr lebendig und humorvoll schildert sie ihre ersten Begegnungen mit Yuqian in Hamburg und ihre Erlebnisse auf den zahlreichen China-Reisen, wobei immer wieder die berechtigte Angst durchkam, dass ihr Mann trotz eines deutschen Passes und der Politik der Öffnung "Schwierigkeiten" bekommen könnte. Und natürlich bekamen die beiden ständig Besuch von der Verwandschaft.
Petra Häring-Kuan gelingt es in ihrer Biographie ausgezeichnet, nicht selbst im Mittelpunkt zu stehen. Es geht ihr nicht nur um die Personen, sondern sie nutzt die Familiengeschichten auch zur Darstellung von Alltag, Kultur und Sozialgefüge sowie deren Wandel in den letzten Jahrzehnten. Hilfreich dabei sind die zu Beginn einiger Kapitel eingeflochtenen Absätze zur jeweiligen politischen Lage. So verlor ich nie den Bezug zu den gesellschaftlichen Veränderungen in China.
Auch wenn das Buch nur am Rande mit Qigong und TCM zu tun hat die Autorin beschreibt auch ihre Erlebnisse damit , empfehle ich es allen, die sich mit der chinesischen Kultur beschäftigen. Diese so anschauliche, begeisternde und doch immer mit einem kritischen Blick versehende Darstellung der chinesischen Lebensart ist ein Genuss.
(Helmut Oberlack)
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Buch: Scherz 2004,
384 Seiten,
19,90 EUR[D]/
20,50 EUR[A]/
34,90 SFr,
ISBN 3502152918
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