Diese CD zur Stehenden Säule besteht aus vier Liedern, die einen kompletten Übungszyklus beschreiben. Im ersten Lied »Gathering Qi« spielen eine Xun (Bambusflöte, in diesem Fall aus Keramik) und eine Erhu (einfaches Saiteninstrument) eine sanfte Melodie zur Einführung in die Übung, um zu Beginn zur Ruhe zu kommen. Vogelgeräusche und Wasser im Hintergrund schaffen die begleitende Atmosphäre.
Das zweite Lied oder »Section 2«, wie die Unterteilung im chinesisch/englischen Booklet heißt, beginnt mit Wellen und Möven, bevor Violinen, Guzheng (zitterähnlich) und eine Harfe abwechselnd »Flowing into the Sea« intonieren. In der Mitte dieses Stückes übernehmen Flöte, Erhu und Cello die Aufgabe, die Übenden zu begleiten, wenn sie spüren, wie »Qi und Blut so im Körper zirkulieren, wie alle Flüsse in den Ozean fließen«, so das Booklet.
Section 3, The Towering Mountains, startet mit Geräuschen von Insekten, die dann gegenüber der Guzheng und Flöte in den Hintergrund treten. Später kommen Pipa und Violine dazu, die mit Akzentuierungen die Übenden an die Größe der Berge erinnern und sie so unterstützen sollen, die Übung durchzuhalten.
Den Abschluss bildet »Inside the Valley«. Nach Vogelgesängen beginnt die Xun, die Guzheng kommt hinzu, später noch Percussion und Cello. Die Übenden sollen mit Hilfe der beruhigenden Musik dieses Teils ihre Fähigkeit der Selbstkontrolle entwickeln.
Das Booklet stellt neben den Erklärungen zur Musik auch eine Art Übungsweise des Zhan Zhuang vor. Zu vier Teilen gibt es je ein Bild und Bewegungsanleitungen, wobei mitunter zentimetergenaue Angaben gemacht werden. Es erweckt den Anschein, dass man auch danach lernen könnte. Das halte ich für fahrlässig. So wird mitunter gemahnt, die vierte Übung, den »Tiger Taming Stance« solle man erst dann üben, wenn man Übung 3, den »Down Pressing Stance« gemeistert habe, andernfalls drohe Verletzungsgefahr. Wer kann schon entscheiden, ob er/sie etwas »gemeistert« hat?
Musikalisch ist die CD gut gemacht. Auf tragenden, dahinfließenden Melodien gibt es gelungene Akzentuierungen, die eine notwendige Spannung halten.
Fazit: Wer sich eine musikalische Untermalung mit typisch chinesischen Melodien zur Praxis des Zhan Zhuang wünscht und sich an den Schwächen des Booklets nicht stört, kann diese CD durchaus in Betracht ziehen. Aber auch zum Nebenbeihören ist sie ganz nett.
(Helmut Oberlack)