Die Heilkraft des Qi
Toshihiko Yayama: "Die Heilkraft des Qi. Eine neue Medizin für Körper und Geist"
Als ich "Die Heilkraft des Qi" von Toshihiko Yayama das erste
Mal in die Hand nahm, erschien es mir zunächst wie ein weiteres
dieser eher überflüssigen oberflächlichen Bücher,
in denen irgendeine Methode als Allheilmittel angepriesen wird. Und
tatsächlich werden die meisten der im Inhaltsverzeichnis angekündigten
Themen nur kurz gestreift - wobei der Autor jedoch immer wieder sehr
interessante Zusammenhänge herstellt.
Toshihiko Yayama ist Arzt für Chirurgie und Traditionelle Chinesische
Medizin. Beim Einstieg ins Qigong kam ihm sein langjähriges Kampfkunsttraining
zugute und er erlangte offenbar recht schnell ein eindrucksvolles Niveau,
das ihm auch Anwendungen von äußerem Qi bei seinen PatientInnen
möglich machte. Angespornt durch die eigenen Erfahrungen machte
er es sich zur Aufgabe, realistische, effektive Methoden für das
Qigong-Training zu finden und zu entwickeln. Traditionalisten werden
vielleicht entsetzt sein, mit welchem Pragmatismus Toshihiko Yayama
aus verschiedenen Systemen Übungen abwandelt, um sie modernen Erfordernissen
anzupassen. Wer jedoch annimmt, dass es dabei vorrangig um Vereinfachungen
ginge, liegt falsch. Da der Autor nach hohen Zielen wie der Entwicklung
des Bewusstseins, der Stärkung der eigenen Heilkräfte und
letztlich der Überwindung der Begrenzungen der äußeren
Welt und dem Eintritt in einen Zustand der Leere strebt und diese allen
Interessierten ermöglichen möchte, geht es ihm um Effektivität.
Als Beispiel dafür kann das von ihm entwickelte "Energieknäuel"
dienen, das helfen kann, Energie wahrzunehmen und fließen zu lassen,
und das man aus Kupferdraht, Seidenpapier und Alufolie leicht selbst
basteln kann. Als vorrangige Methode zur Überprüfung der Wirkung
von Übungen, aber auch von Gegenständen, Orten und anderem
dient ihm die Kinesiologie.
Unter den Übungen, die er aus dem Qigong, dem Zen und dem esoterischen
Buddhismus zusammengestellt hat, stehen der kleine und der große
Energiekreislauf im Zentrum, wobei der große Energiekreislauf
hier einen Austausch mit kosmischem Qi meint, durch den große
Mengen an Energie aufgenommen werden können. Beim kleinen Energiekreislauf
hat Toshihiko Yayama festgestellt, dass der Qi-Fluss bei Frauen in der
Regel andersherum verläuft als bei Männern und daher auch
dementsprechend geübt werden sollte.
Allerdings handelt es sich bei dem vorliegenden Werk nicht um ein Übungsbuch,
die meisten Beschreibungen von Übungen gehen nicht ins Detail und
sind daher nicht zum direkten Nachmachen geeignet. Vielmehr versteht
sich das Buch als ein "Wegweiser in die Welt des Qi". Und
diese Welt erschließt Toshihiko Yayama durch vielfältige
Bezüge zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, der transpersonalen
Psychologie, der Reinkarnationstherapie, buddhistischen und daoistischen
Lehren und Erlebnissen aus seinem Leben. Ich kann mir vorstellen, dass
sich Menschen, denen all dies noch fremd ist, von der Fülle der
Informationen leicht erschlagen fühlen können. Für diejenigen,
die bereits in der Welt des Qi unterwegs und offen für unorthodoxe
Herangehensweisen sind, bietet das Buch viele interessante Anregungen.
Da Japan weit ist, würde ich mir eine Fortführung wünschen,
in der Toshihiko Yayama sein Übungssystem konkreter vorstellt,
so dass es fortgeschritteneren Qigong-Übenden möglich wäre,
selbst damit zu praktizieren.
(Almut Schmitz)
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Aurum 2001, 211 Seiten PB, EUR 22,-
Das Buch kann bezogen werden über den TQJ-Shop
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