Heft 7, 1/2002

"Wenn Yin und Yang sich trennen, werden Essenzen und Geist sich erschöpfen."

Geistige und körperliche Anspannungen und ihre Auflösung durch innere chinesische Übungssysteme. Von Zheng Qingbin

(ungekürzte Originalfassung)

Stressbedingte Krankheiten finden sich nicht länger nur in den westlichen Industrieländern, sondern breiten sich auch in anderen Teilen der Erde rasant aus. In den südostasiatischen Schwellenländern, wo sich viele Menschen zunehmend an westlich-materialistischen Werten orientieren, nimmt der Druck auf das Individuum dramatisch zu, was sich unter anderem in einem starken Anstieg der Selbstmordrate zeigt. Zheng Qingbin, der in Taiwan Qigong und Taijiquan in der Tradition nach Zheng Manqing unterrichtet, hat sich auf Stressbewältigung und die Stärkung der Selbstheilungskräfte spezialisiert. Er beschreibt, wie anhaltende psychische und mentale Anspannungen durch Veränderungen im Hormonhaushalt sowie im Stoffwechsel und anderen Funktionskreisläufen den Organismus beeinträchtigen, so dass es den Betroffenen teilweise unmöglich wird, einen bewussten Weg in die Entspannung zu finden. In solchen Fällen können Qigong-Übungen ohne eine vorherige Beruhigung des Gemüts und eine "Reinigung des Herzens" den Zustand sogar verschlimmern. Andererseits kann auch über eine körperliche Lockerung vor allem in den Gelenkbereichen eine entspannende Wirkung auf Geist und Psyche erreicht werden. Zheng Qingbin stellt insbesondere Taijiquan und das "Spiel der fünf Tiere" nach Hua Tuo als hervorragende Möglichkeiten dar, um dem Stress im 21. Jahrhundert entgegenzutreten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO [1] hat klar aufgezeigt, dass es trotz enormer Fortschritte der modernen Medizin in den letzten Jahrzehnten weiterhin zahlreiche Erkrankungen und Leidenszustände gibt, die kaum oder nur zu einem gewissen Grad mit moderner Schulmedizin behandelt werden können, wie etwa Nacken- und Rückenverspannungen, Bandscheibenprobleme, vor allem psychisch bedingter Stress und Depressionen. Auf so einer kleinen Insel wie Taiwan mit circa 23 Millionen Einwohnern gibt es beispielsweise wegen unerträglicher Depressionen täglich mehrere Selbstmorde und die WHO hat im Jahresdurchschnitt 2000 mehr als 1 Million Suizide weltweit gezählt. Unter den Ländern mit den höchsten Selbstmordraten finden sich solche, in denen überwiegend materialistische Werte ohne idealistische Gegenpole vorherrschen, wie etwa in den Staaten der früheren Sowjetunion. Aber auch in hochentwickelten Ländern mit hauptsächlich westlich orientierten Werten wie Japan und in sich schnell entwickelnden südostasiatischen Schwellenländern mit Überbetonung von materiellem Gewinn wie Taiwan befinden sich die Selbstmordraten und damit verbundene Probleme im rasanten Anstieg, während traditionelle Mechanismen, die solchen Tendenzen entgegenwirken könnten, wie etwa althergebrachte Rituale, traditionelle Religionen und überlieferte Übungssysteme zur körperlichen und geistigen Entspannung für große Teile der Bevölkerungen scheinbar uninteressant geworden sind.[2]

 [1] Bericht der Weltgesundheitsorganisation in der Liberty Times, Taibei, 11. Januar, 2001, Seite 1

[2] Das beschriebene Phänomen ist wohl auch für den Westen selbst, den Ursprung des modernen Kapitalismus, gültig. Der vorliegende Aufsatz ist damit auch im Zusammenhang mit der oft einseitigen Ausrichtung chinesischer Bewegungslehren auf rein mentale Bereiche im Westen zu sehen. Während in Taiwan solche Systeme bisher vorwiegend unter körperlichen und Kampfkunst-Aspekten betrieben wurden, sind die mentalen Bereiche der Lehren zwar längst bekannt gewesen, wurden aber überwiegend in ganz andere Richtungen verfolgt und scheinen erst durch gesellschaftliche Veränderungen nach hier beschriebenem Ansatz eingesetzt zu werden. (Anmerkung des Übersetzers)

Schon im Vorschulalter werden Kinder in Taiwan und anderen asiatischen Industrienationen durch sehr großen Leistungsdruck stark belastet und wenn sie dann das Erwachsenenalter erreichen, unterliegen sie nicht geringer werdenden Belastungen der hiesigen industrialisierten und kommerzialisierten Gesellschaften. Viele Menschen scheinen in einem ewig währenden Konkurrenzkampf verfangen zu sein und ununterbrochen nach Erfolg zu streben, ohne dass es längere Phasen der Erholung, Entspannung und des Loslassens gäbe (der Jahresurlaub beträgt in Südostasien durchschnittlich weniger als fünf Tage). Wenn unter so starkem Druck zusätzliche Belastungen entstehen wie etwa durch eine Heirat samt Familiengründung und Kindererziehung, dann scheint es unvermeidbar, dass es zu wiederholten Frustrationen im Beruf oder im Privatleben kommt.

In solchen Situationen akkumuliert nach chinesischer Vorstellung grübelndes Denken samt entsprechender Emotionen in unseren Köpfen. Diese Art eines angespannten Grübelns ohne unterbrechende längere Entspannungsphasen führt unweigerlich zu mentalem Druck, den die Chinesen in den Köpfen (im Gehirn, chin. Tounao) lokalisieren, während unser Gemüt (Herz, Xin) mit Emotionen überlastet wird, so dass wir nicht entspannen können und unser Geist (Shen) sein ursprüngliches Gleichgewicht verliert und nicht wiederfinden kann. Oft entsteht dadurch chronische Schlaflosigkeit, ein folgender Drogen- (Amphetamine) oder Medikamenten- (Schlaftabletten) Missbrauch ist in Südostasien nicht selten.

Mentaler Stress mit überbetontem Denken und Grübeln führt nach chinesischer Vorstellung aber auch zu einer negativen Leere im Schwerkraftzentrum des menschlichen Körpers, das Chinesen als Dantian bezeichnen. Die Köpfe werden schwer, die Füße zu leicht und obwohl die äußerliche Erscheinung solcher Menschen kräftig erscheinen mag, sprechen Chinesen von einem Papiertiger (chin. Waiqiang Zhonggan), der leer und kraftlos ist. Wir verlieren in solchen Situationen mehr und mehr die Fähigkeit, uns zu konzentrieren und im Dantian zu zentralisieren, so dass die tiefere Quelle für unsere ganzheitliche Persönlichkeit, für unser holistisches Wesen ganz instabil wird. Nach den Vorstellungen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) fließt dann unsere Lebenskraft im Körper aufwärts und verliert sich verschwenderisch im Äußeren. Der so entstehende Teufelskreis schwächt die körperliche Konstitution weiter und öffnet Tür und Tor für andere Leiden, Krankheiten und unangemessenen Gewebeschwund.

Wenn Menschen unter mentalen Frustrationen leiden, entwickeln sie normalerweise einen inneren Widerstand, versuchen ihr gewohntes Leben einfach weiterzuführen und einen starken Willen zu entwickeln, um entstandene Hindernisse zu beseitigen. Aber nach langen derartigen Perioden kommt es oft zu Erkrankungen, die nicht leicht zu behandeln sind, weil das Yuanqi, das ursprüngliche Qi, bereits geschädigt wurde. Chinesen sprechen dann oft von chronischen Erkrankungen mit Ursprung in den Nieren, weil nach den Konzepten der TCM das Qi in den Nieren gespeichert wird. Ist dieses Qi der Nieren unzureichend, so kann die körperliche und geistige Spannkraft, Jingshen, nicht erhalten werden, bis es schließlich schwieriger und schwieriger wird, die täglichen Herausforderungen anzunehmen. Auch die Willenskraft, Yizhi, wird mehr und mehr abnehmen, ebenso das Qi, das Selbstbewusstsein verringert sich und früher oder später hört oder liest man dann in Taiwan von einer langen Krankheitsgeschichte verbunden mit Hass für die Welt und daraus resultierendem Selbstmord.

Auch wenn das vegetative Nervensystem unabhängig von unserem Bewusstsein ist, kann es trotzdem stark von unseren Emotionen und Geisteszuständen beeinflusst werden. In den immer häufigeren Fällen extremer emotionaler Belastung werden das vegetative Nervensystem, die Muskulatur und selbst die Blut- und Qi-Leitbahnen (Jingluo) großem Druck ausgesetzt oder ziehen sich selbstständig zusammen, was sich leider zu einem permanenten Zustand der Gewöhnung entwickeln kann. Nach langen Phasen von mentalem Stress und übergroßer Erschöpfung ohne entsprechende Erholungsphasen kann es so zu Schädigungen unserer Psyche, an Gemüt und Geist kommen, die ihrerseits weitere psychosomatische Probleme auslösen können. Wenn Körper und Geist unausgewogen sind, entstehen zunächst meist Verspannungen im Nackenbereich und Oberkörper als ein erstes Warnzeichen. Aber nach asiatischem Verständnis können durch eine fehlende Balance weit schlimmere Erkrankungen wie Gehirnschlag, Verdummung (Alzheimer), nervöse Schmerzzustände, Atemnot, Atrophie der Gehirnzellen, Probleme der inneren Sekretion sowie Magen- und Darmerkrankungen ausgelöst werden beziehungsweise damit zusammenhängen. Wenn wir so die Koordination innerhalb unseres Körpers verlieren, es zu Ungleichgewichten in unseren Nervensystemen kommt, sprechen die Chinesen von Symptomen der Behinderung oder Trennung der Yin- und Yang-Kräfte, Yinyang Beili.

Jüngste Forschungsergebnisse zu mentalem Stress

Unsere Nervensysteme sind eigentlich ganz gut darauf vorbereitet, mit Stresssituationen fertig zu werden, solange diese nicht zu lange andauern. Als Gegenmaßnahmen ordnen bestimmte Gehirnzentren über die Nerven eine erhöhte Sekretion von Cortisol innerhalb der Zona fasciculata der Nebennierenrinde an, wodurch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels unsere Bewegungs- und Aktionsfähigkeit erhält. Aber dieser Cortisol-Anstieg verringert die lymphatischen Zellen, die für die Produktion weißer Blutkörperchen und für das gesamte Immunsystem so wichtig sind. Das heißt, dass jede Stresssituation ein Ansteigen des Cortisol-Spiegels bedingt und gleichzeitig unseren Immunschutz absenkt. Die Antikörper im Blut werden weniger und der Körper wird für eine ganze Reihe von Erkrankungen deutlich anfälliger

 

 

Schon 1991 hat Joe MacDonald Wallace in seiner Arbeit "Stress" [3] sehr deutlich aufgezeigt, dass der Hypothalamus die innere Sekretion von Cortisol in der Nebennierenrinde und der vordere Teil der Hypophyse eine solche von mehreren Hormonarten, den Corticoiden, in der Nebenniere auslösen. Diese haben vielfache Funktionen und tragen ebenfalls zur Kontrolle von Aufregung und Stress bei. Sie können bestimmte Zellen und Zellgruppen in ihren Aktivitäten hemmen, andere Funktionen bereitstellen und einige heilende oder ersetzende Körpereinheiten stimulieren. Auf diese Weise können selbst unter großen Belastungen die Niveaus von Flüssigkeiten und Salzen beibehalten werden und schon seit relativ langer Zeit wissen wir, dass diese Corticoide aus dem Nebennierenbereich die menschliche Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umstände bedingen.

 

[3] Siehe J. M. Wallace: Stress. Crowood Health Guides, 1991, chinesische Übersetzung 1992, S. 60 ff

Sterling und Eyer von der Universität in Pennsylvania [4] hatten bereits 1981 belegen können, dass Situationen extremer Aufregung und Anspannung und ihr Gegenteil, tiefe Entspannung, zu sehr unterschiedlichen - negativen beziehungsweise positiven - physiologischen Phänomenen führen können. Stress kann den Eiweißabbau beschleunigen, die Synthese von Proteinen, Fetten und Kohlehydraten verlangsamen, deren Verbrauch steigern und auch die Mengen von Glucose und Fettsäuren im Blut erhöhen. Starke Anspannung verringert außerdem positives Cholesterol, steigert die Blutkorpuskeln und Gallensäuren und verringert deutlich die Selbstheilungsfähigkeit des Skeletts und der Haut. Die Zahl der Antikörper im Blut sinkt, ebenso wie die Zahl der weißen Blutkörperchen und die Zellreproduktion im Herzbereich, während der Blutdruck und die Menge des durch das Herz gepumpten Blutes deutlich ansteigen. Salz- und Wasserniveaus erhöhen sich, unsere sexuellen Funktionen nehmen ab. Durch Zustände tiefer Entspannung aber lassen sich mehr oder weniger fast all diese negativen Erscheinungen in ihr Gegenteil umkehren, so dass der Wert einer Fähigkeit zum Entspannen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Klassische chinesische Konzepte zu mentalen Belastungen

Der "Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers", Huangdi Neijing, führt dazu Folgendes aus: "Durch Ärger steigt das Qi nach oben; durch überschwängliche Freude wird das Qi bequem; durch Frustration wird sich das Qi selbst verschwenden; durch Furcht sinkt das Qi nach unten; durch Kälte wird sich das Qi zusammenziehen; durch Hitze wird sich das Qi ausdehnen; durch Schock wird das Qi ins Chaos gestürzt;durch harte Arbeit wird das Qi verbraucht;

 

[4] Siehe Social Science and Medicine: Biological Basis of Stress-Related Mortality, 1981

durch unangemessenes Grübeln verknotet sich das Qi." [5] Nach chinesischer Tradition führen also mentaler Stress und Verspannung zu einem Verschwenden der körperlichen und geistigen Spannkraft. Langes Grübeln, zu viele Sorgen und überstarke Emotionen im Allgemeinen führen unser Bewusstsein in den Kopfbereich, was als schlechte Angewohnheit unsere Fähigkeit zum Entspannen aufheben wird und uns zusehends versteifen und verhärten lässt, und zwar sowohl geistig als auch körperlich. Diese Steifheit symbolisiert überstarke Yang-Kraft, die sich in Ruhelosigkeit und Nervosität zeigt, in einem Sich-nicht-still-halten-Können, bis es schließlich zu einer ungünstigen Erschöpfung und Überanstrengung kommt. Scheinbar unergründbare Erschöpfungszustände und frühzeitige Atrophien, neue Phänomene unter den Zivilisationskrankheiten, machen unsere Köpfe schwer, die Füße leicht, erzeugen Druck auf der Brust und blockieren, während unsere unteren Körperbereiche mehr und mehr leer werden, was die Chinesen eben als Papiertiger, außen stark, innen aber schwach, bezeichnen.
Wenn also die Yin-Kraft allein nicht aus der Ruhe entstehen kann, wenn die Yang-Kraft daraus nicht neu gestaltet werden kann, dann kommt es zu einem Zustand, der im Yijing unter dem Hexagramm zwölf, Blockierung, wie folgt beschrieben wird:

 

[5] Siehe "Eine Satz- und Kapitel-Konkordanz zum Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers", Huangdi Neijing Zhangju Suoyin, Taibei, 1987, "Reine Fragen", Suwen, Kap. 37, "Den Schmerz betreffend", Ju Tong Lun, Abschnitt 4, S. 113 (Entstehungszeit ca. 2. - 1. Jh. v. u. Z.)

"Dies bedeutet, dass Himmel und Erde nicht kommunizieren, dass alle Dinge nicht frei miteinander verkehren, dass Oben und Unten sich nicht austauschen und dass das Verständnis unter den (verschiedenen Klassen von) Menschen nicht günstig verläuft." [6] Spitzensportler erleben in ihrem Streben nach neuen Rekorden oft diese Art von Blockierung ohne zu wissen, dass sie sich selbst hindern, indem sie ihre eigenen Leistungsgrenzen im Training überschreiten, dann sogar auf Doping zurückgreifen und damit ihre innere Lebenskraft, zumindest in ihrem Yang-Aspekt, komplett aufbrauchen. Das Huangdi Neijing beinhaltet auch dazu einen Satz: "Wenn Yin und Yang sich trennen, dann werden Essenzen und Geist sich erschöpfen." [7]

 [6] Siehe Z. D. Sung: The Text of Yi King. Shanghai, 1935, Hexagramm Nr. 12, S. 59 (erste schriftliche Kompilation ca. spätes 2. Jahrtausend v. u. Z., vorher mündliche Tradierung)

[7] Siehe "Eine Satz- und Kapitel-Konkordanz zum Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers", Huangdi Neijing Zhangju Suoyin, Taibei, 1987, "Reine Fragen", Suwen, Kap. 3, "Erzeugung des Qi, Durchdringung des Himmels", Sheng Qi Tong Tian Lun, Abschnitt 3/2, S. 15

Das persönliche Maß an bestehendem Stress erkennen

Harte und versteifte Muskulatur im Oberkörper verweist oft auf andauernde psychische Belastungen wie Sich-Sorgen und Grübeln über längere Zeit hinweg, die meist im Großhirn festgesetzt sind. Und da das Qi immer dem eigenen Bewusstsein, der Vorstellungskraft und den Gedanken nachfolgt, kommt es so häufig zu Bewegungsmustern mit angespannten, gar blockierten Muskelbereichen. Als Lehrer für Taijiquan versuche ich deshalb immer erst einmal den Schülern verständlich zu machen, wo und in welchen Bereichen ihre Verspannungen liegen. Dazu lasse ich sie mit Kraft meinen Körper stoßen und meistens zeigt sich eine Kraftkonzentration beim Schüler dann an eben den zur Verspannung neigenden Körperbereichen. Bei körperlich arbeitenden Personen sind das häufig Schultern, Arme und Hände. Personen mit übermäßigen Bewusstseinskonzentrationen im Gehirn ohne tiefe Entspannungsphasen glauben bei dieser Stoßübung sofort, all ihre körperliche Kraft mobilisiert zu haben, während der Gestoßene meist nur eine leichte, ausschließlich aufwärts gerichtete und verspannte Kraft verspürt, die den Stoßenden selbst in vielen Bereichen so sehr verspannen lässt, dass er nicht recht imstande ist, ein passives Objekt wirklich zu stoßen. Weniger intellektuelle Personen mit mehr Freizeit und Entspannung in ihrem Leben verstehen meist weitaus besser, ihre immanente Kraft aus den Füßen und über die Hüfte zu mobilisieren.

Personen mit viel mentalem Stress und psychologischem Druck müssen zunächst klar verstehen, wo ihre Verspannungen und geistig bedingten Blockaden liegen. Dann können sie erlernen, ganz bewusst auf eine Entspannung und Lockerung dieser Bereiche hinzuarbeiten, indem sie ihre Emotionen, ihre Gedanken beruhigen, bis Muskelbereiche und darin verlaufende Nervenbahnen nicht länger angespannt sind beziehungsweise unter Druck leiden. Die Muskulatur wird sich lösen und mit Geduld zu ihrer natürlichen und gesunden Lockerheit zurückfinden.

Wichtige Punkte zur körperlichen Entspannung und zur geistigen Beruhigung

Die nervlichen und muskulären Bereiche in Menschen, die unter großem mentalen Stress stehen, neigen zur Anspannung und Verkrampfung; solche Personen leiden oft auch unter einem angespannten Geist, das innere Feuer brennt unaufhörlich, es zeigen sich emotionale Probleme, Schlaflosigkeit und aufsteigendes Leberfeuer (Ärger) sind häufige Konsequenzen. Obwohl sie manchmal fest zur Lockerheit und Gelassenheit entschlossen sind, können sie diesen Vorsatz nicht recht realisieren und wissen nicht, wie sie mit ihrem Willen ihre angespannten Nerven und verspannte Muskulatur entspannen können. Dieses Phänomen, das der natürlichen Physiologie zuwiderläuft, lässt einfach nicht zu, dass der Geist klar wird und die Emotionen sich beruhigen, so dass die erwünschte Entspannung nicht erreicht wird. Alle Organsysteme und Körperstrukturen bleiben verspannt und verhärtet und bewusstes Dagegenarbeiten fuhrt oft nur zu noch größerer Verspannung.

Wenn unter solchen Voraussetzungen Qigong-Übungen praktiziert werden, wird das Qi stagnieren und zu starkem Herzklopfen, noch größerer Schlaflosigkeit und Schwindelanfällen führen. Aufgrund fortgesetzter nervlicher Anspannung und erzwungenem Ruhigwerden kommt es häufig zu Gefühlen eines inneren Aufwärtsschwebens. Erzwungene Entspannung durch Übungen, ohne das Nervensystem vorher entspannt zu haben, führt zu zahlreichen irrealen und fehlleitenden Erfahrungen, die Chinesen als Kurzschlüsse bezeichnen, die in das Geisterhafte fuhren. Im Buch der Wandlungen, im Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers, im Daodejing und in weiteren klassischen chinesischen Schriften bildet daher das Thema der Reinigung des Herzens und der Nicht-Aktion, Jing Xin Wuwei, den Schwerpunkt, was auch als die korrekte Form der wahren Theorie umschrieben wird. Dagegen finden sich keinerlei Angaben zu den eigenartigen Phänomenen, Kräften und verwirrten Geisteszuständen. Wenn man also Meditationsübungen, Standübungen in Ruhe, Zhanzhuang, oder einige der unzähligen Qigong-Übungen praktiziert, so ist die erste und grundlegende Voraussetzung dazu ein Wissen um Entspannung, Reinigung des Herzens und um die Beruhigung des Gemüts.

Grundlegende Konzepte im Üben von Entspannung und Herzensreinigung

Personen, die gerade von Erkrankungen gesundet sind, eine schwache Konstitution mitbringen oder an kleineren Leiden laborieren, auch Personen im mittleren Lebensalter - schon ab 30 bis 35 Jahren - sollten sich mehr um Übungsmethoden bemühen, die innerlich sammeln und nähren, Neilianfa, und auf Praktiken, die äußerlich verbrauchen, Waihaolian, eher verzichten, um ihre innere Lebens- und Spannkraft zu erhalten und zu verbessern. Wer unter psychischen Problemen leidet, sollte den Übungsumfang außerdem nach innerer Leere oder Fülle, Xushi, nach körperlichem Zustand und nach dem Grad der Angespanntheit und Steifheit bemessen - ein guter Lehrer wird dabei behilflich sein.
Wenn hartes Yang überreich vorhanden ist, sollte man stagnierendes und trübes Qi über die Ausatmung abgeben. Wenn Leere und Schwäche ein Nicht-Hinreichen verursachen, sollte man die Essenzen und besten Teile von Himmel und Erde (die positiven Einflüsse der Natur wie frische, sauerstoffreiche Luft, Qi aus der Erde, von Flüssen und Bergen) über die Einatmung aufnehmen. Wenn sich Sonne- und Mondeinflüsse (Tag und Nacht) unzureichend oder übermäßig zeigen (asiatischer Sommer mit großer Hitze kann beispielsweise einen Elektrolytverlust bewirken, schlaflose Nächte mit Arbeit oder Kummer lassen das Yang vergehen und steigern Yin), können Mangel und Überfluss entstehen, deren Beseitigung - Ableitung oder Ergänzung - nicht einfach ist.
Aber wenn man von Entspannung, Erwartungslosigkeit und positiver Leere ausgeht, dann lernt das Gemüt loszulassen, so dass keine weiteren Behinderungen entstehen und das Qi sich nachfolgend bewegen lässt. Wenn man lernt beim Ausatmen zu entspannen, kann trübes Qi abgeleitet werden und fortgesetztes Entspannen wird innere Sammlung und Erzeugung von Lebenskraft bewirken. Ausatmung steht demnach für ausfließendes Qi, die Öffnung des Yang. Vollständiges Einatmen und Komprimieren des Qi dagegen beschreibt einfließendes Qi, die Schließung des Yin.

Bei Personen mit großem mentalen Stress und psychischem Druck greife ich häufig auf eine Übungsmethode zurück, die Körper und Geist vereint einsetzt, um die Schüler leichter in einen Entspannungszustand hineinfinden zu lassen. Zunächst versuche ich festzustellen, inwieweit der Schüler die Muskeln und Gelenke der Schulter-, Ellbogen- und Handgelenksbereiche öffnen und entspannen kann. Lockerung in diesen führt langsam, aber sicher zur Entspannung in den entsprechenden Teilen des Nervensystems, so dass Steifheit und Härte dort allmählich abgebaut werden können. Dann setze ich Lockerungsübungen für den zentralen Brustbereich oben, für den darunter liegenden Zwerchfellbereich und für beide Taillen- und Hüftseiten ein.

 

Das Entspannen und Lockern dieser Körperteile nennt man den Austausch von Herz und Nieren, Xin Shen Xiangjiao, was in der Yijing-Theorie eindrücklich als "Austausch von Wasser und Feuer, Vereinigung von Yin und Yang" [10] bezeichnet wird und das grundlegende Prinzip aller Schöpfung darstellt.
Die sich fortsetzende Entspannung der Becken- und Leistenbereiche und die Fähigkeit, über Beine, Knie- und Sprunggelenke sowie die Füße vorteilhaften Kontakt zum Boden herzustellen, kann mit folgendem Beispiel verdeutlicht werden: Wenn wir mit unseren Händen sehr eng und fest geschlossene Fäuste bilden, wird sich unsere gesamte Aufmerksamkeit, unser Bewusstsein ganz darin ansammeln, wodurch körperliche Kraft und Qi in diesen geschlossenen Fäusten aufgeboten werden. Werden beide für einige Zeit eingesetzt, verbrauchen sie sich und der Übende ermüdet. Im Gegensatz dazu werden wir zu weit tieferer Entspannung finden, wenn wir dort keine Kraft aufwenden und die Fäuste locker formen, wodurch kurzzeitige, blitzartige Reaktionen und größere Härte in der Kontraktion erreicht werden können.

Die Schritte zur Entspannung fangen also mit unserem Geist, dem Gemüt und den Emotionen an, gehen über das Bewusstsein zum Nervensystem und erreichen schließlich die Muskulatur und die Gelenke, Bänder und Sehnen. Wer aber diese Reihenfolge aufgrund oben genannter Ursachen nicht durchschreiten kann, der kann über eine Entspannung der Muskulatur und Körperstrukturen mittels geeigneter Übungsformen positiv sein Nervensystem beeinflussen, so sein Bewusstsein entspannen und schließlich eine Reinigung des Herzens erreichen. Wenn wir also Muskulatur und Nerven zu entspannen wissen, dann kann auch unser Gemüt loslassen und locker werden.
Diese Art vollständiger und tiefer Entspannung ist aber anders zu verstehen als im Westen üblich. Es handelt sich keinesfalls um das totale Abschlaffen und dämmrige Dahindösen in einem Liegestuhl an einem tropischen Strand, ohne jegliche Bewusstheit und Agilität. Der chinesische Ausdruck für Entspannung, Fangsong, der in zahlreichen Übungssystemen eine zentrale Rolle spielt, wird daher oft nicht leicht verstanden und beschreibt darüber hinaus auch eine gewisse Einstellung während aller aktiven Übungen, die ein Zurückführen der aufgewandten Kräfte zu ihrem Ursprung gewährleistet. Diese Sammlung und Rückführung führt uns zurück zum Schwerkraftzentrum des Körpers, zum bereits beschriebenen Dantian, das etwas unterhalb des Nabels und etwas innerhalb des Körpers liegt.
Die sogenannte innere Sammlung und Rückkehr zum Ursprung, Neilian Gui Yuan, war bereits von Laozi, dem berühmten Begründer des philosophischen Daoismus im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, beschrieben worden:

 

[10] Für tiefere Einsichten in den Originaltext des Yijing siehe Richard Kunst: The Original Yijing. University of California, 1985 und R. Ritsema & H.-J. Schneider: Eranos Yijing. München 2000; für die Rezeption der Yijing-Theorien in der chinesischen Philosophie siehe Hermann Bohn: Die Rezeption des Zhouyi in der Chinesischen Philosophie, von den Anfängen bis zur Song-Dynastie. München, 1998.

"Wenn man sein Qi zur äußersten Weichheit transformiert, kann man jungenhaft wie ein Kleinkind werden." [11] Dies bedeutet die Rückkehr zum eigenen Ausgangspunkt durch tiefe Atmung mit dem unteren Bauchbereich, Reinigung des Herzens und Nähren des Qi. Wenn das Qi der Nieren dann ausreichend und überreich ist, kann man das eigene innere Feuer kontrollieren. Nach chinesischen Gesundheitskonzeptionen können durch solche Übung einige psychosomatisch bedingte Kopfschmerzarten, Gaumen- und Zahnfleischprobleme, aufsteigendes Leber-Feuer (Ärger) und explodierende Wutausbrüche sowie damit verbundene Symptome behoben werden. Im Buch der Wandlungen, Hexagramm 63 "Bereits Durchqueren", Jiji, findet sich dazu Folgendes: "Härte und Weichheit stimulieren sich gegenseitig, erreichen ihre korrekten Positionen, ... Wasser über Feuer ..." [12] Hier interagieren die beiden Qi-Arten, wobei Feuer für Auflösung steht und alle Phänomene ein vollständiges Ende finden.

 [11] Siehe dazu "The Sayings of Lao Tzu", übersetzt von R. B. Blakney und Lin Yu-tang, Kap. 10, S. 21, Taibei 1970 (Anmerkung: Die Textkompilation des Daodejing fand nach neuesten Erkenntnissen wohl kaum vor 300 v. u. Z. statt.)

[12] Siehe Z. D. Sung: The Text of Yi King. Shanghai, 1935, Hexagramm Nr. 63, S.263ff.


Konzepte der frühen chinesischen Weisen zu Entspannung und Reinigung des Herzens

Die beiden Begriffe der Entspannung und der Reinigung des Herzens sind im klassischen chinesischen Schrifttum ausführlich und umfassend beschrieben worden. Im Yijing steht dazu: "Die Wandlungen kennen kein (bewusstes) Denken und sie sind wie Nicht-Aktion; sie sind ruhig und ohne Bewegung; wenn sie aber in Bewegung versetzt werden, durchdringen sie alle Phänomene und Ereignisse unter dem Himmel." [13]

[13] Ebenda, "The Great Appendices", Abschnitt I, Kap. 10, S. 2

Im Daodejing ist ein durchgängig erkennbarer Kernpunkt folgender Satz: "Das Dao handelt nie und doch wird alles durch das Dao bewirkt." [14] Dies bedeutet auch, dass das extrem Weiche die Ruhe bewahrt und diese eindrucksvoll leitet. Und im Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers heißt es: "Unbeeindruckt von weltlichen Gewinnen, Leere und Leerheit, das wahre Qi folgt ihnen; wie könnte eine Krankheit aus ihnen entstehen?" [15]
Körperliche Entspannung und Nähren der eigenen Wesenheit, diese typisch chinesischen Ausdrücke der inneren Kultivierung, Neixiu, gehen aber nicht über die grundlegenden Fähigkeiten zur totalen Tiefenentspannung bei beibehaltener Aufmerksamkeit und Agilität hinaus. Laozi sprach von klarer und reiner Nicht-Aktion, Qingjing Wuwei, die alle Wünsche und Sorgen aus dem Herzen verbannt. Man muss ein leeres Gefäß werden, dessen Hohlraum für die Aufnahme des Dao benutzt werden kann. Wenn unser Herz, unser Gemüt und unser Geist tief entspannen können, dann wird es keinerlei Falschheit geben und Weisheit wird entstehen. Wenn wir auf diese Weise loslassen können, wird sich das Nervensystem ganz lockern und in seinen natürlichen gesunden Zustand zurückfinden.


[14] Siehe "The Sayings of Lao Tzu", übersetzt von R. B. Blakney und Lin Yu-tang, Kap. 37, S. 215, Taibei 1970

[15] Siehe "Eine Satz- und Kapitel-Konkordanz zum Klassiker des Inneren des Gelben Kaisers", Huangdi Neijing Zhangju Suoyin, Taibei, 1987, "Reine Fragen", Suwen, Kap. 1, "Naturgemäßes und wahrhaftes (Dasein) im hohen Altertum", Shanggu Tian Zhen Tian Lun, Abschnitt 2, S. 8

Das Yijing schreibt dazu im Hexagramm 24 "Fu", "Das Zurückkehren": "In Fu sehen wir hier nicht das Wesen von Himmel und Erde?" [16] Wenn Muskeln und Nervensystem entspannen und keinerlei Behinderungen unterliegen, dann fühlen wir dieses Phänomen in den Gesichtsnerven, in unseren Schultern, dem gesamten Brustbereich einschließlich des Zwerchfells. All diese Körperbereiche öffnen sich und wir sind imstande alle Aktivitäten und Übungen ins Dantian zurückzuführen, so dass auch der Unterbauch zu einer tiefen Entspanntheit findet. In weiteren Schritten lernen wir dann, diese spezielle Art der Lockerheit auf die Taillen, Hüften und Leisten auszuweiten, bis wir über Beine, Knie- und Sprunggelenke, Füße und letztlich durch die Akupunkturpunkte Yongquan, Sprudelnder Quell, auf den Sohlenzentren eine direkte Verbindung zum Boden herstellen können. Zhuangzi (circa 365 - 290 v. u. Z.), ein weiterer hervorragender Vertreter des philosophischen Daoismus, schrieb in seinem Werk dazu Folgendes: "Der wahre Mensch atmet durch seine Fersen, der gemeine Mensch durch seinen Hals." [17]

 

[16] Siehe Z. D. Sung: The Text of Yi King. Shanghai, 1935, Hexagramm Nr. 24, S.107f.

 

 

[17] Siehe Guo Qingpan: Gesammelte Kommentare zu Zhuangzi. Zhuangzi Jishi, Taibei, 1974, Innere Kapitel, Nr. 6 Neipian, "Der große Meister" Da Zongshi, S. 228 (Originaltext).
Und in unseren Tagen sagte auch der weithin bekannte Lehrer des Taijiquan, Zheng Manqing (1900 - 1975), in einer seiner letzten Reden: "Man inhaliert das Qi des Himmels, man verbindet sich mit der Stärke der Erde, man wird alt durch Weichheit." [18] Wenn der ganz Körper entspannt, locker und weich ist, gibt es keinerlei Blockaden mehr, die Atmung wird tief und durchdringend. Übt man nach diesen ersten Erfolgen geduldig weiter, kann sich die Atmung enorm verfeinern und tatsächlich alle Körperbereiche erreichen, so dass sich die Versorgung mit Nährstoffen, Blut und Körperflüssigkeiten vervollständigt, die Körperzellen noch aktiver und lebendiger werden, unsere Körperstrukturen letztlich vollständig selbst gesunden und kräftig werden.

 

[18] Siehe das chinesische Magazin Taijiquan Zazhi, Vol. 26 (1. April 1983), "Taijiquan und Leibeserziehung", Taijiquan Yu Tiyu, eine Rede gehalten von Zheng Manqing, Dezember 1974 und aufgezeichnet von Zhou Dashu, S. 10 - 14

Es gibt heute eine ganze Menge von Übungssystemen und Trainingsmethoden, die Entspannung und Stressabbau zum Ziel haben. Über 30 Jahre an Unterrichtserfahrungen der Zheng-Manqing-Schule aber zeigen, dass dazu vor allem die traditionellen chinesischen Übungssysteme des vereinfachten Taijiquan mit 37 Figuren nach Meister Zheng, Zhengzi sanshiqishi Taijiquan [19], und auch das ganz alte und 84 Figuren umfassende Spiel der Fünf Tiere nach Hua Tuo, Hua Tuo Wuqinxi [20], geeignet sind. Beide Systeme sind deshalb so wertvoll, weil sie auf ganz spezielle Weise ein angespanntes, gestresstes Bewusstsein dazu bewegen können, relativ einfachen und lockeren, körperlichen Bewegungen nachzufolgen. Das Bewusstsein wird in einen entspannten Zustand geführt und das recht gut realisierbare Ziel eines typisch ganzheitlichen chinesischen Geisteszustands in Einheit von Körper und Geist bleibt nicht nur leeres Gerede.


[19] Siehe Cheng Man-ching: T'ai Chi Chuan - A Simplified Method of Calisthenics for Health & Self Defense. Richmond, 1981 (alte Lautschrift für Zheng Manqing und Taijiquan)

 

[20] Siehe Guo Tingxian: Graphische Erklärungen zu Hua Tuos Spiel der fünf Tiere, Hua Tuo Wuqin Zhi Xi Tujie. Taibei, 1999

Über die Bewegungen des Spiels der Tiere oder des Taijiquan lernen wir unser Bewusstsein und unseren Geist zu führen, um einseitige Kopflastigkeit aufzulösen. Schritt für Schritt werden so alle Verspannungen und Blockaden, die sich im Stress des täglichen Lebens ergeben haben, beseitigt, und jeder Muskel, jeder Nerv, ja sogar die inneren Organe folgen dann in den Entspannungszustand hinein, so dass zahlreiche durch Verspannungen bedingte Leiden reduziert, oft ganz behoben werden können. Die genannten Methoden aus alten chinesischen Traditionen können daher uneingeschränkt als Körper-Geist-Übungen für den von Stress geplagten Menschen des 21. Jahrhunderts empfohlen werden.

 


Der Artikel erschien ursprünglich auf Chinesisch im Taijiquan Magazin 136 der Taijiquan-Vereinigung Gaoxiong vom 1. August 2001. Er wurde übersetzt und editiert von Dr. Hermann G. Bohn.



Inhaltsverzeichnis

Autor
Zheng Qingbin, geb. 1951 im Kreis Gaoxiong, Südtaiwan, begann im Alter von 15 Jahren wegen einer schwachen Konstitution, häufig auftretender Erkrankungen und einer Phase mit Neurasthenie Taijiquan zu erlernen. Zwischen 20 und 30 Jahren nahm er erfolgreich an zahlreichen nationalen und internationalen Tuishou-Wettkämpfen teil. Nach einem überwiegend körperlich orientierten 25-jährigen Training und einer oft auf Kraft basierenden Wettkampfpraxis spürte er die Diskrepanz zwischen seinem Gongfu und den klassischen Schriften und Formen des Taijiquan. Nach seinem frühen beruflichen Rückzug als Buchhalter widmete er sich daher ausschließlich dem Studium klassisch-chinesischer Schriften und westlicher Forschungsergebnisse bezüglich psychischem Stress. Er begann innerhalb der Zheng-Manqing-Schule Gaoxiong und unter Anleitung von Meister Ju Hongbing öffentlich zu unterrichten, spezialisiert auf das Entspannen von Körper und Geist, zum allgemeinen Wohlbefinden und zur inneren Sammlung und Rückkehr zum Ursprung. Gewöhnlich unterrichtet Zheng Qingwu zusammen mit Frau Zhang Shujin, einer bekannten Expertin in genannten Künsten und mehreren, damit in Verbindung stehenden Übungsbereichen.