Heft 3, 1/2001

4. Deutsche Qigong-Tage

Leserbrief zum Rückblick in Ausgabe 4/2000 (ungekürzt)
Von Dr. med Ingrid Reuther

Sehr geehrter Herr Oberlack,
in Ihrem Artikel, den ich mit Interesse gelesen habe, hinterfragen Sie die Tätigkeit der berufsspezifischen Arbeitskreise beziehungsweise stellen die Frage, wie in der kurzen Zeit, die den Arbeitskreisen bei ihren Treffen jeweils zur Verfügung steht, noch ein sinnvolles gemeinsames Arbeiten möglich ist. Als Leiterin des Arbeitskreises Medizin möchte ich hierzu gerne Stellung nehmen – wozu in Ihrem Artikel ja auch ausdrücklich aufgefordert wurde.
Auch ich würde es begrüßen, wenn den Arbeitskreisen deutlich mehr Zeit zur Verfügung stehen würde. Da die Dinge aber nun mal so sind wie sie sind, gilt es zunächst das Beste daraus zu machen.

Als 1999 die AK-Treffen abgesagt wurden, hatte ich mich persönlich schon sehr intensiv vorbereitet und mehrere Personen gefunden, die aus ihren Spezialgebieten Kurzreferate halten wollten. Wir waren sehr enttäuscht darüber, dass das Treffen ausfallen sollte und beschlossen, uns dennoch zu treffen, damit nicht ein weiteres Jahr verstreichen würde, bevor wir unsere Projekte vorstellen könnten. Wir waren damals 13 Personen und haben sehr intensiv zusammen gearbeitet. Mit Hilfe der Biomathematikerin Dr. Beate Pfistner haben wir zum Beispiel die verschiedenen Ebenen der Qualitätskontrolle im Qigong kennengelernt. In drei Kleingruppen wurden folgende Themen vertieft: Herstellung eines Fragebogens, Entwicklung eines Studiendesigns für eine Einzelfallstudie (Beispiel Migräne) und für eine kontrollierte randomisierte Studie (Beispiel Asthma).

Als wir uns bei den Qigong-Tagen 2000 wiedertrafen, haben wir unsere Arbeit einfach fortgesetzt. Wir waren jetzt 39 Personen und allein das gegenseitige Vorstellen hätte die 70 Minuten, die uns letztendlich für unsere Arbeit blieben, verschlungen. Also haben wir einfach mit dem Arbeiten begonnen.
Das Treffen 1999 hatte Impulse gesetzt, diese hatten übers Jahr weitergewirkt und zu ein paar doch recht erwähnenswerten Resultaten geführt:
1) Elisabeth Friedrichs, Ärztin in Augsburg, hat das Thema ”Qigong und Migräne” zum Inhalt ihrer Promotion gemacht. Die multizentrische Studie (Betreuung durch Prof. D. Aldridge von der Universität Witten/Herdecke) wird im Sinne des Single-case Research Designs durchgeführt, die Rekruitierung ist in vollem Gange und bald wird mit dem Qigongunterricht begonnen. Man darf ruhig sagen, dass die Vorarbeit des Arbeitskreises hier so etwas wie der erste Schritt war.
2) Es gibt einen Fragebogen, der einsatzbereit ist (kann bei mir angefordert werden). Mit 25 Fragen ist er für die Kursevaluation geeignet. Um ihn für medizinische Fragestellungen zu erweitern, sollen krankheitsspezifische Module entwickelt werden.

Bei unserem Treffen 2000 ging es um diese Module. Es haben sich Kleingruppen zu folgenden Krankheitsbildern gebildet: Multiple Sklerose, Migräne, Arthrose, Psychoneuroimmunologie. Aufgabe dieser Kleingruppen wird es sein, bis zum nächsten Treffen Fragen, wie sie auch bei der schulmedizinischen Evaluation üblich sind, zusammenzutragen bzw. bereits auszuwerten und geeignete Fragen in ein Modul zu integrieren. In der erweiterten Form soll der Fragebogen dann für die Einzelfalldokumentation eingesetzt werden können.
Die Kleingruppen sollen übers Jahr intensiveren Kontakt aufnehmen, sich gegenseitig kennenlernen und in ihrem Themenbereich zusammenarbeiten, nicht notwendigerweise nur an den Modulen. Für jede Kleingruppe gibt es eine/n Ansprechpartner/in.
Das Thema ”Qigong und Psychoneuroimmunologie” war bei unserem diesjährigen Treffen mit einem Kurzreferat (Dr.med. Christa Rettich) erstmals vertreten. Das Interesse war groß, auf diesem Gebiet forschend tätig zu werden.
Eine Gruppe ”Evaluation” bildete sich auf Anregung der Universität Oldenburg und wird sich schulenübergreifend mit der Qualitätskontrolle im Qigong befassen. Ansprechpartnerin ist Dr.Beate Pfistner.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der AK Medizin in der zur Verfügung stehenden Zeit intensiv gearbeitet hat (Protokoll kann bei mit angefordert werden), dass neue Impulse gesetzt wurden, die hoffentlich wieder übers Jahr wirken und bis zu unserem nächsten Treffen (29./30. Sept. 2001 in Köln) zu weiteren Resultaten geführt haben werden. Dann werden wir mehr Zeit haben. Wir werden wieder Kurzreferate hören, vermutlich werden wir uns weiterhin mit Studien und Studiendesign beschäftigen und Berichte über den Einsatz von Qigong in verschiedenen therapeutischen Feldern hören, aber auch Grundlegendes wie zum Beispiel der Vortrag von PD Dr. med. Gisela Hildenbrand über ”Spezifität und Ganzheitlichkeit” (1999) und Schöngeistiges sollen einen Platz in unserem Arbeitskreis finden.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich all diejenigen ermutigen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen bislang nicht einem Arbeitskreis angeschlossen haben, dies zu tun. Es kann sehr spannend sein und fördert ausserdem den Austausch zwischen den Schulen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute im Neuen Jahr, Ihrer noch jungen Zeitschrift einen guten Start und den Arbeitskreisen eine intensive Zusammenarbeit.

In diesem Sinne verbleibe ich
Dr. med Ingrid Reuther


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