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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


A I B I C I D I E I F I G I H I I I J I K I L I M I N I O I P I Q I R I S I T I U I V I W I X I Y I Z linie

TQJ 1/2008

Chen-Stil Taijiquan

Chen Xin: »The Illustrated Canon of Chen Family Taijiquan«
INBI Matrix 2007, 762 Seiten geb., ca. 80 EUR,
ISBN-13: 978-5-98687-008-5, ISBN-10: 5-98687-008-5

Das älteste bekannte Taiji-Buch überhaupt, das »Chen Shi Taijiquan Tushuo« von Chen Xin (1849 – 1929) ist erstmals ins Englische übersetzt worden. Alex Golstein hat diese schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe für INBI, einen in Russland beheimateten Verband, der der World Chen Xiaowang Taijiquan Association (WCTA) angehört, übernommen. Damit liegt nun endlich eine Ausgabe vor, die auch vielen Taiji-Interessierten im Westen zugänglich ist, ohne dass sie klassisches Chinesisch beherrschen müssten.

Chen Xin, ebenfalls bekannt unter dem Namen Chen Pinsan, war ein Vertreter der 16. Generation der Chen-Familie und er arbeitete über 14 Jahre an seinem Lebenswerk, das philosophische Hintergründe, praktische Hinweise und detaillierte Anweisungen und Erläuterungen zu den Figuren der ersten Form im kleinen Rahmen enthält. Die Tiefe an Wissen und Verständnis über die Vorgänge auf körperlicher, energetischer und spiritueller Ebene sowie über die Zusammenhänge zwischen Taijiquan und chinesischer Philosophie, insbesondere dem Yijing, die hier offenbar wird, ist kaum zu ermessen und für die meisten Taiji-Praktizierenden sicher kaum nachvollziehbar. Es ist ausgesprochen faszinierend, wie hintergründig und detailliert die alten Meister die Bewegungen mit jeweiligen Energieverläufen ausgearbeitet haben.

Das Buch besteht aus der Einführung in Theorie und Philosophie sowie den in drei Teile gegliederten Erläuterungen zur Form. Die Einführung umfasst sehr viele Graphiken, angefangen beim Wuji-Kreis über numerologische Karten, verschiedene Darstellungen zu den acht Trigrammen und den 64 Hexagrammen und ihren Beziehungen untereinander, Illustrierungen zum Wandel des Qi im Laufe des Jahres, eines Monats, eines Tages, unterschiedliche Darstellungen des Taiji-Konzepts, Diagramme zur Energiebewegung im Taijiquan bis hin zu Abbildungen der Hauptmeridiane. Alle sind mit Erklärungen versehen, gleichwohl wird sich ihre Bedeutung sicherlich nicht allen LeserInnen vollständig erschließen.

Auch die Erläuterungen zur Form sind natürlich nicht für AnfängerInnen gedacht oder etwa als Ersatz für eine Lehrkraft, sondern bauen auf bereits vorhandenen Fähigkeiten auf. Andererseits ist die Herangehensweise auch für Taiji-Praktizierende anderer Formen interessant.
Wer Taijiquan in seiner Tiefe erkunden und vor allem auch seine historische Entwicklung verstehen will, findet hier einen wertvollen Schatz – ihn zu heben erfordert einen geduldigen Forschergeist.
(Almut Schmitz)

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TQJ 4/2006

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Die Entwicklungsstufen im Taijiquan

Jan Silberstorff: »Die 5 Level des Taijiquan. Nach Großmeister Chen Xiao Wang kommentiert von Meister Jan Silberstorff«
Lotus-Press 2006, 120 Seiten + DVD, 29,80 EUR(D) / 30,70 EUR(A),
ISBN: 3-935367-08-2

Der Text über die fünf Level des Taijiquan von Chen Xiaowang ist im Grunde ein moderner Klassiker, der bereits auch in dieser Zeitschrift erschienen ist. Moderner Klassiker deshalb, weil es sich bei dem Text um eine einmalige, stilübergreifende Abhandlung über die Entwicklungsstufen beim Erlernen einer inneren Kampfkunst handelt.

Manche, die den Text kennen, können sich mit seinen Aussagen nicht wirklich anfreunden, weil er aufzeigt, auf welchem (niedrigen) Level man sich in seinem eigenen Üben eigentlich befindet. Aber gerade die Tatsache, dass er einem diese Klarheit bringt, macht ihn so wertvoll für ernsthaft Übende.

Chen Xiaowang hat aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung und Übungspraxis den Weg, den ein Adept des Taijiquan zu gehen hat, in ungewöhnlicher Klarheit beschrieben. In dieser Weise ist das nur einem Menschen möglich, der an einem Punkt angelangt ist, von dem ich nicht genau weiß, wie es dort aussieht. Jeder, der sich auf den Text einlässt, findet sich an bestimmten Stellen wieder und ebenso die eigenen Erfahrungen und Probleme. Und interessanterweise klärt der Text gleich Fragen, die sich auf dem Übungsweg stellen. Für andere Probleme weist Chen Xiaowang darauf hin, dass eine Lösung ohne Lehrer eher Glück ist.

Kurzum, der Text ist die ideale Beschreibung des Übungsweges und der Phasen und Probleme, die auf dem Weg warten. Mich persönlich hat das eher ruhiger werden lassen.

Im vorliegenden Buch nun, vom Verlag sinnigerweise als »Seh-Buch« angepriesen, wird der Text zusätzlich von Jan Silberstorff kommentiert und erhält dadurch einen verständlicheren, weil vielleicht auch weltlicheren Ton. Anhand von Beispielen aus der eigenen Übungspraxis und Erfahrung verdeutlicht Jan Silberstorff viele ihm wichtige Punkte der Abhandlung.

Das Buch basiert auf einem Vortrag, den er über den Text gehalten hat, und dieser ist als DVD zum Anschauen dem Buch beigelegt – daher auch die Bezeichnung Seh-Buch. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine reine Transkription des Vortrags, sondern um eine mehrfach überarbeitete Version. Das Buch kommt aber immer noch sprachlich angenehm locker rüber. Und mit knapp 100 Seiten ist es auch schnell gelesen. – Das ist gut, weil man dann mehr Zeit zum Üben hat. Und wie wichtig diese Zeit zum Üben ist, wird mehr als einmal deutlich. Daher danke für diese kleine Perle, die nicht nur für Übende des Taijiquan ein schwer wiegender Denkanstoß sein sollte.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2009

Taijiquan – Theorie und Lebenspraxis

Bernd Hildebrandt: »Mit T‘ai Chi an die Börse«
Tuishou Verlag 2009, geb., 168 S., 16,80 Eur[D]/ 17,30 Eur[A]/ 27 CHF, ISBN 978-3-00-026636-2

Vor der Lektüre des Buches »Mit T‘ai Chi an die Börse« war mein erster Gedanke: Was für ein blöder Titel. In Kombination mit der Aufmachung waren meine schlimmsten Erwartungen geweckt. Wieder so ein Trittbrett-Buch, habe ich gedacht, wo einer etwas über Taijiquan schreibt, es dann mit Wirtschaft in Verbindung bringt und das Ganze wenig Hand und Fuß hat. Ok, falsch. Ich stellte fest, dass ich keine Erwartung hatte, sondern ein Vorurteil. Und hier war vorschnell geurteilt. Der Titel ist irreführend und macht erst nach der Lektüre eigentlich Sinn. Ob das im Hinblick auf eine potenzielle Käuferschaft so geschickt ist, bleibt ein anderes Thema.

Auf jeden Fall bietet das Buch mehr, als es zunächst vermuten lässt. Der Börsenbezug des Titels erklärt sich daraus, dass der Autor selbst Aufsichtsrat einer AG ist und so im Buch auch immer wieder Bezug nimmt auf seine berufliche Laufbahn und seine Erfahrungen im Taijiquan, die ihm halfen, die Hochs und Tiefs seiner Karriere zu durchschreiten. Erstaunlich vielschichtig beschreibt der Autor Historie, Philosophie und Theorie des Taijiquan und weiß den Leser mit diversen Ausflügen in benachbarte Themenbereiche wie beispielsweise Kreativität und Visionen entwickeln zu verwöhnen oder auch herauszufordern. Und das macht das Buch für mich persönlich lesenswert. Es ist aus einer erfrischenden Perspektive geschrieben und beleuchtet Themen und Ansichten, die nicht in jedem Buch über Taijiquan vorkommen.

Recht spät offenbart sich, dass der Autor sich mit der Peking-Form beschäftigt, und das macht das Buch dann besonders für all jene interessant, die nicht in einem Familienstil und der damit meist einhergehenden Literatur eingebunden sind. Jeder andere kann aber durchaus auch mal einen Blick riskieren.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2006

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Die Philosophie hinter dem Taijiquan

Freya und Martin Bödicker: »Philosophisches Lesebuch zum Tai Chi Chuan II«
Boedicker 2006, 98 Seiten Pb, 7,80 EUR(D) / 8,10 EUR(A),
ISBN 3-9810407-1-6

Dr. Martin und Freya Bödicker haben sich nicht nur um die Verbreitung der Wu-Tradition im Westen verdient gemacht, sondern die Diskussion im Taijiquan auch stilübergreifend vertieft und die Praxis belebt. In den von ihnen herausgegebenen Büchern und in ihren »Themenheften zur Theorie des Taijiquan« (Taijiquan-Lilun) widmen sich beide intensiv und mit viel Liebe wichtigen Aspekten von Theorie und Technik, der Geschichte und Philosophie des Taijiquan.

2005 erschien in der Reihe »Schätze der chinesischen Kultur« der erste Band ihres »Philosophischen Lesebuchs zum Tai Chi Chuan«. Eine profunde Sammlung von Textpassagen aus zwölf klassischen Quellen, die den engen Zusammenhang zwischen der Bewegungskunst Taijiquan und wesentlichen Konzepten der chinesischen Denkweise deutlich werden lässt.

Freya und Martin Bödicker haben nun mit dem zweiten Band ein weiteres Mal in die Schatztruhe der chinesischen Philosophie gegriffen und präsentieren Textpassagen aus dreizehn Quellen. Neben bekannteren wie dem »Inneren Klassiker des Gelben Kaisers«, dem Mongzi (Menzius) und der »Erklärung des Taiji-Diagramms« des Neokonfuzianers Zhou Dunyi finden sich diesmal auch Passagen aus Schriften, die selbst eingefleischten Taijiquan-Freunden noch unbekannt sein könnten, wie die »Drei Strategien des Meisters vom gelben Stein« oder der »Klassiker der Klarheit und Ruhe«.

Jeder einzelne Abschnitt wird – wie auch im ersten Band – fundiert eingeleitet: Autoren und Werke werden lebendig in ihrem historischen Zusammenhang und in ihrer Bedeutung. Eine Einführung in die klassischen chinesischen Denkformen von Konfuzianismus, Daoismus und Mohismus und ein ausführliches und informatives Glossar ergänzen den zweiten Band, der so auch ohne Kenntnis des ersten Bandes zu einem runden Lesegenuss wird.

Für die Sorgfalt in der Gestaltung, für die unermessliche Arbeit, die in der Auswahl und in den Übersetzungen steckt, und für die Tatsache, dass Freya und Martin Bödicker dieses neue kleine, aber reichhaltige Schmuckstück zu einem erschwinglichen Preis anbieten, sei ihnen gedankt. In einer Zeit, in der die chinesische Denkweise im Westen den Bereich der exotischen Liebhaberei verlassen hat, enthält dieses Buch viele Inspirationen für alle Menschen – ob sie nun Taijiquan üben oder nicht.
(Dr. Rainer Landmann)

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TQJ 1/2009

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Schiebende Hände

Jan Silberstorff: »Schiebende Hände – Die kämpferische Seite des Taijiquan«
Lotus Press 2008, 328 Seiten, 24,90 Eur[D]/25,60 Eur[A],
ISBN 978-3-935367400

Das Ziel eines jeden Autors ist es, in seinem Leben wenigstens ein gutes Buch zu schreiben. Wenn es dann noch ein Standardwerk wird, welches darüber hinaus Anerkennung über die Grenzen des eigenen Metiers (oder Stils) hinaus findet, dann kann man sich wirklich glücklich schätzen. Jan Silberstorff ist das mit seinem Buch »Chen« geglückt.

Nun hat er ein weiteres Buch geschrieben und, was soll ich sagen: wieder ein Standardwerk. Diesmal hat er sich zwei Schüler als Co-Autoren ins Boot geholt, die äußerst kompetent und hochinformativ zum einen Biografien von Taiji-Meistern und zum anderen Erläuterungen über die fünf Bewegungsrichtungen zum Text beisteuern. Das sind nicht nur interessante Informationen, sondern sie machen den Text auch lebendig und abwechslungsreich.

Das Buch deckt alles Wissenswerte über das Thema Tuishou und Anwendungen im Taijiquan ab und geht dabei mehr ins Detail als alles, was ich bisher gelesen habe. Grundprinzipien, Techniken, Abläufe von Push-Hands-Routinen und zu allen Themenbereichen erhalten wir detaillierte Zusatzinformationen. Mehr kann man sich nicht wünschen. Nicht alle Texte sind originär für dieses Buch entstanden. Im hinteren Teil trifft man auf thematisch passende, aber anderweitig bereits erschienene Artikel beziehungsweise Auszüge daraus. Das macht aber nichts, weil sie sich nahtlos einfügen und das Buch hervorragend abrunden.

Wer sich also umfassend und tiefgreifend informieren will, der findet hier die Quelle. Als störend anzumerken bleibt, dass bei aller Qualität des Inhaltes das Buch ein sorgfältigeres Lektorat verdient gehabt hätte. Das sollte bei der bereits angekündigten zweiten Ausgabe hoffentlich nachgeholt werden.
»Schiebende Hände« kommt mit einer solchen gelassenen

Selbstverständlichkeit als Standardwerk daher, dass man es genauso gelassen lesen kann. Es lädt einfach mal zum Stöbern ein, kann aber genauso gut von vorne nach hinten durchgearbeitet werden. Ich bin gespannt auf ein Buch von Jan Silberstorff über den Waffenkampf im Taijiquan.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2009

Taijiquan für AnfängerInnen

Thomas Methfessel: »Tai Chi für Anfänger. Illustrierte Einführung in die Bewegungsmeditation«
Oesch 2008, 12. völlig überarbeitete Auflage, 171 Seiten geb., 14,95 EUR, ISBN 978-3035030372

Dr. Thomas Methfessel studierte die Geographie Asiens und begeisterte sich auf seinen Reisen für die Kunst des Taiji, heißt es auf dem Einband des Buches. Mittlerweile unterrichtet er sie seit über 20 Jahren. Er gehörte mit seiner Erstauflage von 1989 sicher zu den ersten, die ein Buch über Taijiquan in Deutschland veröffentlichten. Dass es vor Kurzem seine zwölfte Auflage erlebte – völlig überarbeitet, wie der Autor betont –, macht deutlich, dass das Buch eine Erfolgsgeschichte ist.

Es besteht zu einem Viertel aus einem theoretischen Teil, der in gut verständlichen Worten die wichtigsten Eckdaten zu »Ursprung und Entwicklung« und zu den »gesundheitlichen Wirkungen« vermittelt.
Dreiviertel des Buches widmen sich der Praxis. Der Aufbau scheint dabei ein wenig dem Unterrichtscurriculum eines möglichen Anfängerunterrichts zu folgen. Er beginnt mit »Grundlagen«, die Lockerungsübungen und Hinweise zu Körperhaltung, Aufmerksamkeitslenkung, Bewegungsweise und weiteren Punkten enthalten. Dann fügt er einen Abschnitt ein, der die Grundideen des Qigong vermittelt und unter anderem Pfahlübungen enthält. Einige einfache Partnerübungen sollen helfen Balance und Struktur zu üben. Der letzte große Abschnitt heißt dann »Tai Chi lernen – Schritt für Schritt«. Hier bietet das Buch eine kurze Form an, die in alle vier Himmelsrichtungen gelaufen wird.

Der Praxisteil ist ansprechend bebildert und Thomas Methfessel gibt sich viel Mühe, die Übungen gut nachvollziehbar zu beschreiben. Immer bietet er auch zusätzliche Ideen zur Aufmerksamkeitslenkung an. So meint man im Ganzen, die führende Stimme eines kompetenten Lehrers zu hören, der eine Fülle an Tipps und auch Querverweisen in den Alltag zu bieten hat. Der gesamte Aufbau, mit Bildmaterial und herausgehobenen Kästen, die zum Beispiel Improvisationsübungen anbieten, ist übersichtlich und hilfreich. Dass ein Buch einen Lehrer nicht ersetzen kann, bleibt dennoch klar.

Dies Buch kann man für AnfängerInnen ausdrücklich empfehlen, sowohl in der Auswahl der Inhalte wie in ihrer Aufbereitung.
(Dietlind Zimmermann)

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docherty

TQJ 2/2010

Eine Entschlüsselung klassischer Taiji-Texte

Dan Docherty: "Tai Chi Chuan - Decoding the Classics for the Modern Martial Artist"

Ramsbury 2009, 142 Seiten, Pb, EUR (D) 17,99, ISBN-13: 978-1-84797-084-8, Sprache: Englisch

Es ist schon eine seltene Ausnahme, dass das TJQ-Journal ein englischsprachiges Werk in seine Buchrezensionen aufnimmt. Aber in diesem Fall scheint mir diese Ausnahme gerechtfertigt, denn der Autor - Dan Docherty - dürfte der breiten Leserschaft des Journals kein Unbekannter sein.

Der gebürtige Schotte ist ein echtes Taiji-Urgestein, kantig und kein Blatt vor den Mund nehmend, wenn es darum geht, seine persönliche Meinung kund zu tun. Und so dürfen die geneigten LeserInnen von diesem Buch neben einer Fülle wertvoller und interessanter Informationen zu den Taiji-Klassikern auch viele unterhaltsame Anekdoten sowie mit erfrischender Respektlosigkeit vorgetragene und mit einer guten Prise schottischen Humors gewürzten Geschichten aus Dans persönlichem "Taiji-Weg" erwarten.

Der Umschlagtext verspricht: "Tai Chi Chuan - Decoding the Classics for the Modern Martial Artist ist das erste Buch in englischer Sprache, welches eine detaillierte, illustrierte Interpretation der Tai Chi Chuan-Klassiker, der klassischen Schriften über den Faustkampf und des Tai Chi-Diagramms anbietet. Das Ziel dieses bemerkenswerten Buches ist den Leser zu befähigen, diese historischen Unterlagen praktisch umzusetzen und in das alltägliche Kampfkunsttraining zu integrieren." Das ist sicherlich ein recht hoher Anspruch, der aber meiner Meinung nach vom Autor in eleganter Weise erfüllt wurde.

Zum Inhalt selbst ist zu sagen, daß er nach Vor- und Abspann übersichtlich in drei Abschnitte gegliedert ist: Nach einem Vorwort von Dr. Alexandra E. Ryan und der üblichen Widmung, Danksagung und Einführung befaßt sich Teil 1 mit der Bedeutung des Begriffs "Chinesische Kampfkünste" vor dem Hintergrund ihres kulturellen Umfeldes. Es folgt ein kurzer Überblick über die philosophischen Ursprünge der theoretischen Grundlage des Taijiquan, ein Vergleich des Verhältnisses zwischen Taijiquan und daoistischer innerer Alchemie und die Bedeutung der Klassiker in der chinesischen Kultur.

Teil 2 konzentriert sich nach einer allgemeinen Einführung mit den vom Verfasser ausgewählten Klassikern selbst, nämlich "Taijiquan Lun" (Diskurs über das Taijiquan), "Taijiquan Jing" (Kanon des Taijiquan), "Shi San Shi Xing Gong Xin Jie" (Interpretation der Praxis der 13 Taktiken), "Shi San Shi Ge" (Lied der 13 Taktiken) und "Da Shou Ge" (Lied der schlagenden Hände). Jeder dieser Texte wird mit speziellen Erklärungen in Gänze vorgestellt und anschließend akribisch Vers für Vers interpretiert, erläutert und kommentiert. Mit ergänzenden Fotos und Diagrammen versehen, erschließt sich der Inhalt leicht, man kann Dan Docherty bequem folgen.

Der 3. Teil widmet sich der Dualität bzw. Polarität des WenWu (Kultur bzw. Schrift/Kampf), einmal unter den zivilen/kulturellen Aspekten der "Erklärungen zum Taiji-Diagramm" des Neokonfuzianers Zhou Dunyi und den kriegerisch/militärischen des Generals Qi Jiguang, der das Militär-Handbuch "Ji Xiao Jin Shu" (Buch der neuen Analysen) schrieb; Dan Docherty erläutert hier speziell das 14. Kapitel "Quan Jing" (Klassiker des Fauskampfes), welches sich mit waffenlosen Kampftechniken befasst. Diese Abhandlungen mögen nicht unbedingt direkt mit Taijiquan zu tun haben, aber nach Auffassung des Autors sind sie wichtiges Quellenmaterial. Auch hier gibt es eine Fülle von Abbildungen bzw. Reproduktionen alter Zeichnungen von Kampftechniken; Docherty schlägt mit seinen Deutungen der Verse eine begehbare Brücke zum Taijiquan, ein meiner Meinung nach interessanter Ansatz.

In seiner Abschlussbetrachtung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Taijiquan weist der Autor u. a. mit persönlicher Anteilnahme auf die zum Teil doch recht seltsamen Entwicklungen hin, die dem Taijiquan im Laufe der Zeit wiederfahren sind. Ein Hinweis auf nützliche Webadressen sowie ein Glossar nebst Index vervollständigen das Werk.

Und damit das Lesen nicht zur staubtrockenen Angelegenheit wird, sorgen Schilderungen persönlicher Erfahrungen des Autors, Reiseerlebnisse sowie eingestreute Anekdoten für Auflockerung - wie zum Beispiel die der dubiosen Umstände, unter denen Yang Chengfu verstarb.

Das Buch selbst ist auf gutem Papier gedruckt und reich bebildert, die Fotos sind alle vierfarbig widergegeben, Grafiken, Zeichnungen und Diagramme fallen deutlich und angenehm durch ihren gelben Hintergrund ins Auge.

Fazit: Ein gut gelungenes Werk, interessant und kurzweilig und nicht nur für Enthusiasten der klassischen Taiji-Schriften empfehlenswert.

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TQJ 2/2007

 

 

Taiji und Qigong für Kinder

Barbara Reik: »Tai Chi für Kinder. Mit Tiger und Bär zu mehr Körperbewusstsein, Bewegung und Ruhe«
R. Mankau Verlag 2007, 141 Seiten PB, Preis 12,95 EUR

Ein sehr hilfreiches Buch für alle, die Kinder an innere chinesische Bewegungskünste heranführen wollen, hat Barbara Reik geschrieben. Auch wenn der Titel nahe legt, dass es sich um ein Buch über Taijiquan handelt, beschreibt die Autorin im Wesentlichen Vorübungen, Phantasiereisen, Mitmachgeschichten und spielerische Übungen, die Kinder im Vor- und ersten Grundschulalter mit Grundprinzipien von Taijiquan und Qigong vertraut machen, ihnen Wege eröffnen zu einer bewussten Wahrnehmung ihres Körpers, ihrer Gefühle, von Qi und der Natur.

In kompakter Form werden wesentliche Begriffe und Haltungen soweit erklärt, dass Kinder sie verstehen können. Dabei richtet sich das Buch an diejenigen, die Kinder unterrichten wollen, und vermittelt eine Sprache, die auf Kinder eingestellt ist. An vielen Stellen gibt es neben den einfachen Erläuterungen weiterführende Tipps für die LehrerInnen.

Darüber hinaus bietet Barbara Reik ein offenes Gesamtkonzept für Kurse an, vom Informationsabend für die Eltern über Bastelanleitungen zum roten Faden, den in diesem Fall Chi, der Bär, und Tai, der Tiger, halten. Aus welchen der vorgestellten Elemente die einzelnen Stunden aufgebaut werden, bleibt dabei den Unterrichtenden freigestellt.

Trotz der Einfachheit der Übungen und der schlichten Darstellung gelingt es Barbara Reik, auf wichtige Punkte, insbesondere in Bezug auf die Haltung, aufmerksam zu machen. Es ist ihrem Buch deutlich anzumerken, dass sie es aus eigener langjähriger Erfahrung geschrieben hat. Auch denjenigen, die bereits mit Kindern arbeiten und die andere Konzepte für ihren Unterricht nutzen, bietet es sicherlich viele Anregungen. Ebenso können Menschen, die selbst noch wenig Erfahrungen mit Qigong oder Taijiquan haben, hier viele Ideen finden, wie sie mit Kindern zusammen diese Richtung erkunden können.
(Almut Schmitz)

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Taijiquan im Alter

Barbara Reik: »Tai Chi für Senioren«
Murnau 2009, 141 Seiten, PB, EUR(D) 14,95, EUR(A) 15,40,
ISBN 978-3-938396-25-4

Barbara Reik arbeitet schon länger als Taiji-Lehrerin mit SeniorInnen und ihre Erfahrung merkt man dem Buch an. Bereits im Vorwort wird deutlich, dass die Autorin ernsthaft und spielerisch Taijiquan betreibt und es ihr im Wesentlichen um die Gesundheit geht.

So beginnt sie das erste Kapitel »Grundlagen und Theorie« mit einer Auflistung einiger für SeniorInnen bedeutsamen gesundheitlichen Wirkungen des Taijiquan. Das Kapitel ist bereits sehr praxisorientiert. Die Autorin geht nur kurz auf die Geschichte ein, wichtiger sind ihr Tipps für die Praxis und wichtige Begriffe, die im folgenden, ungleich längeren Kapitel »Praxis« vorkommen.

In diesem sind zahlreiche Übungen zur Lockerung und zur Vorbereitung auf die Form enthalten. Die Form selbst besteht nur aus dem Anfang des Yang-Stils, vom »Beginnen« bis zum »Stoßen« (An), woran sie das »Hände Kreuzen« und das »Ende« anschließt. Diese Form mag zwar recht kurz erscheinen, aber für SeniorInnen, die mit Taiji beginnen, also die Zielgruppe des Buches, ist sie meines Erachtens völlig ausreichend. Zudem gibt es ja noch die übrigen Übungen, worunter erfreulicherweise auch einige Partnerübungen sind.

Neben der gelungenen Auswahl von Übungen gefiel mir der freundliche, aufmunternde Stil, in dem Barbara Reik dieses Buch verfasst hat. Sie erwähnt dabei auch die Wirkungen der einzelnen Übungen und gibt klare Hinweise, worauf zu achten ist, sowie Tipps zum Spüren. Schön sind die »Kurzfassungen« der doch recht komplexen Bewegungsabläufe in der Form. Ausgesprochen lobenswert sind die Fotos mit den Seniorengruppen der Autorin, aus denen auch die Freude und der Spaß, die das ernsthafte Üben von Taijiquan mit sich bringt, hervorblitzen.
Fazit: Ein überaus gelungenes Buch für alle, die sich für das Thema Taijiquan und Qigong im Alter interessieren.
(Helmut Oberlack)

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Taichi – Grundlagen der fernöstlichen Bewegungskunst

TQJ 4/2007

Grundlagen des Taijiquan

Frieder Anders: »Taichi – Grundlagen der fernöstlichen Bewegungskunst«
Irisana, Kreuzlingen 2007, 224 Seiten geb., Preis 19,95 EUR(D) / 20,60 EUR(A) / 38 SFr, ISBN 978-3-7205-5027-7

Dieses Buch war eines der ersten über Taijiquan in deutscher Sprache, als es 1985 erschien. Mittlerweile ist die siebte Auflage herausgekommen und Frieder Anders hat es etwas überarbeitet. Die Überarbeitung betrifft ausschließlich den dritten Teil des Buches, in dem er Taijiquan beschreibt.

Nun beginnt er seinen Teil nicht mehr mit Zhuangzis berühmter Geschichte vom Koch, sondern mit dem menschlichen Bewusstsein, wobei er auch auf Jean Gebsers »Fünf Stufen des Bewusstseins« eingeht. Die übrigen Abschnitte sind überwiegend gleich geblieben, hin und wieder sind sinnvolle Veränderungen zu finden. So zum Beispiel differenziert er jetzt im Abschnitt über den »Geist« in Yi und Shen und das »Öffnen und Schließen« hat einen eigenständigen Abschnitt bekommen.

Natürlich bleibt Frieder Anders bei seinem »authentischen« Yang-Stil, dem Stil, in dem er zu Hause ist. Alle Bilder, die seinen ehemaligen Lehrer Chu Kinghung zeigten, sind jetzt durch Bilder von ihm selbst, teilweise mit Schülern, ersetzt worden. Zitate von Chu Kinghung sind ebenfalls aus dem Text herausgenommen worden. So fand die Trennung von seinem Lehrer auch im Buch Niederschlag. Der dritte Teil endet mit vier klassischen Texten zum Taijiquan, denen von Zhang Sanfeng, Wang Zongyue, Wu Yuxiang und Yang Chengfu.

In den ersten beiden Teilen werden Grundlagen des Taijiquan und verwandte Wege von renommierten GastautorInnen beschrieben. Zu den Grundlagen zählen unter anderem Dao, Yin/Yang, der Mensch zwischen Himmel und Erde, das Bagua, die Fünf Elemente, Qi und die chinesische Medizin. Zu den Wegen zählen Qigong, daoistische Meditation und die Kalligraphie. Diese wurden unverändert übernommen, was inhaltlich kein Nachteil ist, denn die Beiträge der GastautorInnen – zum Beispiel John Blofeld, Wolfgang Höhn, Allan Watts und Dr. Josefine Zöller – sind zeitlos gut.

Das Buch schließt mit einem Aufsatz über die Erfahrungen beim Lernen von Taijiquan und mehreren Erfahrungsberichten von Taiji-Lernenden sowie einer ausführlichen und aktualisierten Literaturliste.

Die unveränderten Teile sind leider optisch nicht gelungen. Da das Original-Layout wiederverwendet wurde, das Seitenformat aber kleiner ist, musste die Schrift deutlich verkleinert werden. Darunter leidet die Lesbarkeit erheblich. Natürlich hat der Verlag so viel Geld gespart, andernfalls wäre der Preis wohl höher ausgefallen.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 4/2007

Taijiquan wissenschaftlich

Klaus Moegling (Hrsg.): »Tai Chi im Test der Wissenschaft. Internationale biomedizinische Studien zur Gesundheitswirkung des Tai Chi Chuan (Taijiquan)«
Prolog 2009, Reihe Bewegungslehre und Bewegungsforschung Band 28, 223 Seiten, 26,80 EUR, ISBN 978-3-934575-40-0

Im Rahmen eines Seminars an der Universität Marburg zum Thema »Die Gesundheitswirkung des Tai Chi Chuan« haben SportstudentInnen eine Reihe internationaler Studien, die seit den 70er Jahren in diesem Bereich durchgeführt worden sind, kritisch analysiert, insbesondere im Hinblick auf die methodische Durchführung. Beabsichtigt war damit einerseits, »eine Idealisierung, Mystifizierung und Überschätzung der Gesundheitswirkung des chinesischen Bewegungssystems Tai Chi Chuan zu vermeiden« und andererseits Daten zusammenzutragen, die innerhalb einer biomedizinischen Sichtweise Relevanz haben. Es wurden dementsprechend bewusst Studien ausgewählt, die die Wirkung des Taijiquan anhand von biomedizinischen Parametern getestet hatten.

Den größten Forschungsbereich ergaben Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, daneben war der Einfluss auf die Sturzanfälligkeit und Balancefähigkeit älterer Menschen ein wichtiges Gebiet, des Weiteren wurden Studien zur Wirkung auf Osteoporose, auf die Gelenkstabilität, bei Hämophilie, auf das vegetative Nervensystem, die Schlafqualität sowie zu »Tai Chi Chuan als Mittel zur Rehabilitation von schweren Kopfverletzungen« einbezogen. Insgesamt ergaben die Analysen, dass viele insbesondere der älteren Untersuchungen nicht wissenschaftlich einwandfrei durchgeführt worden sind, häufig ist die Teilnehmerzahl zu gering und äußere Einflüsse oder Störfaktoren wurden zu wenig berücksichtigt. Zudem ist die Vergleichbarkeit natürlich fraglich, da mit unterschiedlichen Taiji-Formen in unterschiedlicher Weise und über unterschiedliche Zeiträume gearbeitet wurde.

Dennoch zeigen sich in allen Bereichen tendenziell positive Wirkungen und aus dem vorhandenen Material wurden auch Anregungen für weitere Untersuchungen entwickelt. Bei der Planung von neuen Studien sollte es nach Ansicht der AutorInnen einerseits um eine verbesserte Untersuchungsmethodik gehen und andererseits um eine Erweiterung der Untersuchungsperspektive über biomedizinische Kriterien hinaus. Hierbei könnten neuere gesundheitswissenschaftliche Ansätze und qualitative Erhebungsmethoden eingesetzt werden. Außerdem wäre es interessant, auch die Wirkung von – häufig dynamischer ausgeführten – Waffenformen sowie von Partner-übungen einzubeziehen.

Für alle, die sich mit einer wissenschaftlichen Erfassung der Wirkungsweisen des Taijiquan beschäftigen oder auf dieser Ebene in der Diskussion stehen, zum Beispiel mit SchulmedizinerInnen oder Krankenkassenangestellten, und natürlich für alle, die es einfach etwas genauer wissen wollen, liegt hier eine Menge systematisch aufbereitetes Material vor.
(Almut Schmitz)

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TQJ 2/2007

Taiji-Idealismus

John Lash: »Die T´ai Chi Reise zum Tao – T´ai Chi und die Weisheit des Tao Te King«
Selbstverlag 1990, 130 Seiten

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch interessant ist dieses von John Lash, einem in der Schweiz lebenden Amerikaner, bereits 1990 herausgegebene Buch über den Weg, den Taiji-Lernende gehen können, wenn, ja wenn sie sich konsequent an die daoistischen Ideale halten, die gemeinhin mit Taijiquan verbunden werden.

John Lash stellt in den Mittelpunkt seines Buches das Daodejing. Fast alle Verse führt er auf – er hält für Taiji-Lernende die Übersetzung von Gia Fufeng für die beste – und interpretiert sie im Sinne eines Taiji-Schülers, der den Idealen des Daoismus folgt. Immer wieder kommen dementsprechend Hinweise, wie das Verhalten sein sollte: leben im Augenblick, offen sein, annehmen was ist, mit der Natur handeln, seine Mitmenschen achten, sein wahres Selbst entdecken, nachgeben und manches mehr. Dabei nimmt John Lash die Verse des Daodejing Stück für Stück, manchmal auch nur eine Zeile, auseinander und versieht sie mit seinem Kommentar. Es ist also kein Buch, in dem das Daodejing schön aufgeführt ist, sondern ein Arbeitsbuch zu den einzelnen Versen.

Die Grundlagen für das Verständnis des Daodejing in seiner Interpretation legt John Lash im Vorwort und zwei kurzen Kapiteln zum Dao und zum Taijiquan, die dem Hauptteil vorausgehen. Bereits hier wird deutlich, wohin die Reise gehen wird. Der Autor stellt Taijiquan als einen daoistischen Übungsweg dar, die Anteile anderer Gesellschaftslehren wie des Konfuzianismus sind nicht Gegenstand seiner Betrachtung – was in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts auch nicht üblich war.

Das Buch ist sicherlich interessant für LeserInnen, die sich mit dem Zusammenhang von Daodejing und Taijiquan beschäftigen wollen, und richtet sich dabei eher an AnfängerInnen. Die angesprochenen Verhaltensweisen sind natürlich Ideale, die kaum jemand zu 100 Prozent erfüllen kann. Aber darum geht es auch nicht, es geht ja, wie wir wissen, um den Weg dahin, der sicherlich länger ist als ein Menschenleben.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 4/2009

Atemenergetik und Biomechanik im Taijiquan

Frieder Anders, Volker E. Brauner, Alexander Zock: »Taiji – Atemenergetik und Biomechanik. Der Weg zur Inneren und Äußeren Technik«
Hans Huber 2009, 248 Seiten + DVD, 29,95 EUR, ISBN 978-3-456-84699-6

Wenn in einem Buch die weitläufigen und komplexen Themen Taijiquan, Atemenergetik und Biomechanik aufeinandertreffen und dann noch »Der Weg zur Inneren und Äußeren Technik« versprochen wird, ist die Erwartungshaltung hoch. Wenn dann der Autor auch noch Frieder Anders heißt, ist zudem die Neugierde geweckt.

Der Autor hat sich einem interessanten Thema gewidmet und dabei tatsächlich erstaunliche Entdeckungen gemacht. Schon vielen Taiji-Praktizierenden ist aufgefallen, dass unterschiedliche Lehrer eine unterschiedliche Körperhaltung haben. Oder sollte man bei manchen eher von Körperneigung sprechen? Bisher hielten anatomische oder stilistische Erklärungen dafür her. Frieder Anders nun beschäftigt sich mit zwei unterschiedlichen Atemtypen und leitet daraus ab, dass ein Übender bei der einen Atmung eben aufrecht und bei der anderen nach vorne geneigt stehen muss. Für ihn eine zwingende Voraussetzung, um das letztlich einzige zu akzeptierende Kriterium für gutes oder eben nicht so gutes Taijiquan zu entwickeln: die Jin-Kraft.

Und so präsentiert sich dem Leser ein gut strukturiertes Buch, das nicht auf das nötige Hintergrundwissen zum Thema verzichtet und somit auch für Einsteiger in die Materie geeignet ist. Der Autor bezieht sich in seinen Ausführungen und Erkenntnissen auf Erich Wilk, der wohl in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zwei unterschiedliche Atmentypen herausarbeitete. Basierend auf dessen Arbeit gibt das Buch den LeserInnen die Möglichkeit, selbst zu experimentieren und zu forschen. Zahlreiche Abbildungen begleiten diesen Prozess und verdeutlichen den Text. Unterstützung holt sich der Autor zudem von seinen beiden Koautoren. Der eine kommt mehr aus der Medizin und der andere aus dem Bereich Physik. Beide steuern fachspezifische Sichtweisen bei und stellen die Informationen auf eine breitere Basis.

Ergänzt wird das Buch durch eine beiliegende DVD, die auf einer Gesamtlänge von 29 Minuten die wichtigsten Aspekte in Bezug auf die Jin-Kraft und ihre Entwicklung und Nutzung beleuchtet. Sollte jemand noch überhaupt keine Ahnung von Taijiquan haben, empfehle ich, die DVD erst anzuschauen, wenn die Lektüre des Buches fortgeschritten ist. Ansonsten droht das Gesehene zu Missverständnissen zu führen.

Alles in allem also ein interessantes Buch mit lesenswerten Inhalten. Einziger Schwachpunkt aus meiner Sicht sind die im ersten Teil ausufernden Fußnoten, da sie den Lese- und damit auch den Informationsfluss arg behindern. Wo es doch im Buch um frei fließende Energie und Kraft geht.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 3/2008

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Arbeitsbuch zum Taijiquan

Thomas Eugen Schneider: »Taijiquan – ein Arbeitsbuch für Anfänger«
Schwaninger 2007, 166 Seiten, 18 EUR, ISBN 978-3-9810653-0-5

Thomas Eugen Schneider, ein Schüler von Dr. Hermann Bohn und damit in der Traditionslinie von Song Zhijian, hat ein umfassendes Arbeitsbuch zum Taijiquan vorgelegt. Es ist entstanden aus den Lehrbüchern von Song Zhijian und diversen Arbeitsmaterialien und bietet einen großen Überblick über die vielfältigen Übungen und Techniken, die es beim Taijiquan gibt. Darunter fallen die Bereiche Aufwärmen, Lockern, Neigong, Körperhaltung, Schrittarten und Handtechniken sowie Geschichte und Philosophie, die Partner-übungen sind nicht enthalten.

Das Buch unterscheidet sich vom Konzept her grundlegend von vielen anderen, denn es hat ausdrücklich nicht den Anspruch, dass die Übungen aus dem Buch heraus gelernt werden können. So werden zum Beispiel bei der Form, eh nur der erste Teil, ausschließlich Fotos und Schrittdiagramme – sehr schön mit der Stellung der Hüfte über den Füßen – gezeigt. Für die Bewegungsbeschreibungen wird auf das entsprechende Buch von Song Zhijian verwiesen. Bei anderen Übungen gibt es nur einfache Strichmännchen mit stichwortartigen Beschreibungen oder Erläuterungen ganz ohne Abbildungen. Mitunter sind Übungen relativ ausführlich beschrieben und mit Fotos, Zeichnungen und Schrittdiagrammen versehen. Auch die theoretischen Teile, in denen es um Regeln, Effekte, die Klassiker und manches mehr geht, sind eher nur holzschnittartig dargeboten.

Das mag zwar alles etwas »willenlos« klingen, aber ich denke, das Buch erfüllt sehr gut seinen Zweck: Interessierten die Vielfalt aufzuzeigen und vor allem den Übenden eine Gedächtnisstütze zu bieten. Von daher ist es ein gelungenes Buch mit dem angenehm klaren Ansatz, dass es alleine zum Lernen nicht reicht. Andere Bücher, die auch erwähnt werden, sind dafür geschrieben worden, und es gibt zum Lernen vor allem Unterrichtende.
(Helmut Oberlack)

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Taiji-Schwertform

TQJ 2/2008

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Schwertform nach Zheng Manqing

Chang San-Lii (Hrsg.): »Taiji-Schwertform«
Lanbridge Book Company 2006, 234 Seiten, 30 EUR,
ISBN 957-634-273-2

Der Taiwanese Chang San-Lii kam 1980 als Germanistikstudent nach Heidelberg und begann dort nach einiger Zeit auch Taijiquan zu unterrichten. Nun hat er ein großzügig bebildertes Buch zur Schwertform herausgegeben. Die Bewegungsbeschreibungen stammen von seiner langjährigen Schülerin Ute Stein, die Bilder zeigen ihn selbst.

Die Schwertform in der Tradition von Zheng Manqing ist hier in acht Einheiten unterteilt, die Benennung der einzelnen Figuren ungewöhnlich. Es wurde auf die traditionellen Bezeichnungen verzichtet, da sie oft zu unverständlich seien. Stattdessen wurden neue Bezeichnungen gefunden. Dem Hauptteil vorangestellt sind eine kurze Darstellung von Taijiquan als Kampfkunst sowie Grundlegendes zum Schwert und zum Gebrauch des Buches.

Der Hauptteil mit der Beschreibung der Form ist sehr übersichtlich aufgebaut: Jede Doppelseite hat links ein ganzseitiges Bild, rechts sind die Bewegungen beschrieben, wie man zu dem Bild kommt. Je nach Figur illustrieren bis zu vier Bilder den Text. Unterstützend gibt es noch Fußdiagramme, die die Stellung und Belastungen der Füße verdeutlichen. Dabei wird nur unterschieden in voll und leer. Hier wäre es besser gewesen etwas mehr zu differenzieren.

Die Bewegungsbeschreibungen sind sehr detailliert, dadurch nur nachvollziehbar für erfahrene Taiji-SpielerInnen. Gut gefallen hat mir die Formulierung »Mit der Absicht ...« zum Beispiel einen Schritt nach Westen zu setzen, die zu Beginn einer neuen Figur gleich die hauptsächliche Bewegung verdeutlicht. Dadurch werden die einleitenden Drehungen und Schlenker gleich klarer. Eine schöne Idee sind auch die kleinen Bilder in den Fußzeilen, die man als Daumenkino anschauen kann.

Fazit: Ein sehr schön aufgemachtes Buch mit Bewegungsbeschreibungen von seltener Präzision, sicherlich eine gute Hilfe für Übende dieser Form und auch durchaus interessant für Schwert-SpielerInnen anderer Formen.
(Helmut Oberlack)

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Transfer des Taijiquan vom Osten in den Westen

TQJ 1/2008

Transfer von Ost nach West

Michael Buss: »Transfer des Taijiquan vom Osten in den Westen«
Norderstedt 2007, 118 Seiten, 14,95 EUR(D) / 15,40 EUR(A) / 27,50 SFr,
ISBN 978-3837008999

Michael Buss, Taiji-übender Student, beschäftigt sich in seiner Magisterarbeit am Fachbereich Sozialwisenschaft der Universität Göttingen mit der »Übertragbarkeit eines chinesischen Bewegungskonzeptes«. Dabei betrachtet er Taijiquan als Entspannungsübung, Gesundheitssport und Kampfkunst und trägt somit dessen drei wesentlichen Ausrichtungen Rechnung.

In seinem historischen Überblick geht der Autor bis zum Taijiquan der neueren Zeit, das in China Richtung Wettkampfsport tendiert, sichtbar am Duanwei-System, im Westen jedoch eher dem Einfluss von verschiedenen Interessengruppen aus dem Bereich Gesundheit/Entspannung unterliegt. Im folgenden Kapitel behandelt er die Schwierigkeiten, mit denen wir Westler durch die uns fremde Kultur konfrontiert sind. Hierbei stellt er die Sprache und die Unterrichtsmethodik in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Anschließend diskutiert Michael Buss die Fachtermini Qi, Jin, Shen, Yi und Xin sowie Neigong und Waigong, bevor er auf das Bewegungskonzept des Taijiquan eingeht. Dieses letzte Kapitel beinhaltet neben einer kurzen Charakterisierung der verschiedenen Stile eine Analyse der Körperhaltung und die Darstellung von sechs Arten der Entspannung sowie die wesentlichen biomechanischen Grundprinzipien des Taijiquan.

Michael Buss ist es gelungen, die wichtigen Punkte der Kapitel kurz und gut verständlich herauszuarbeiten. So erhalten die LeserInnen ein solides Wissen dieser schwierigen wie interessanten Problematik. Im Rahmen einer Magisterarbeit bleibt sicherlich nicht der Platz für eine tiefer gehende Betrachtung der einzelnen Aspekte. Auf eine solche macht seine Arbeit neugierig. Ich wünschte mir beim Lesen des Öfteren, dass er noch ein ausführlicheres Werk zu diesem Thema schreiben möge.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 2/2009

Taijiquan und seine Verankerung in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Wu Runjin, Zhu Lichan, Thomas Jonasson: »Die Vielfalt des Tai Chi Chuan und seine Verankerung in der Traditionellen Chinesischen Medizin«
Bacopa 2008, 200 Seiten, 29 EUR, ISBN 978-3-901618-50-5

Etwas zu sagen über jemanden, den man nicht kennt, ist schwierig. Vor allem, wenn diese Person bereits verstorben ist. Und so ist es mit dem Autor dieses Buches. Wu Runjin verstarb 2007 nach kurzer, heftiger Krankheit. Dieses Buch ist zum Teil ein Vermächtnis seines Wissens und zum anderen seinem Schaffen gewidmet

Den Erzählungen nach ist Wu Runjin einer jener Lehrer für Taijiquan und Qigong gewesen, die ihre Wurzeln in der Tradition des Wushu hatten. Alle großen Familienstile waren ihm geläufig und auch im Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) war er sehr bewandert. Daher ist der Inhalt des Buches eine konsequente Folge in der Betrachtung des Wissens dieses Wushu-Lehrers.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Der erste beschäftigt sich mit der Geschichte des Taijiquan, der zweite Teil behandelt die Praxis des Taijiquan und der dritte schließlich die gesundheitlichen Aspekte der Kunst. Während für mich der erste und der zweite Teil eher von Allgemeinplätzen geprägt sind, bekommt das Buch im dritten Teil mehr Niveau. Wenn zum Beispiel kurz die Funktionskreise von Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren dargestellt werden und deren Bedeutung für das Taijiquan erläutert wird, dann sind das Dinge, die tatsächlich nicht in jedem Buch zu lesen sind. In Kombination mit einem informativen Anhang, in dem die grundlegendsten Begriffe der TCM nochmals erläutert werden, hat das Buch hier seine größten Stärken.

Melancholisch wird es bei den Artikeln von Thomas Jonasson über die Wu-Familie und dem Gastkommentar über Wu Runjin von Martin Rüttenauer. Hier wird einem die Person näher gebracht und sein Umfeld ein wenig stärker beleuchtet. Diesen Teil empfand ich als interessant, vermute aber, dass darin nicht alle übereinstimmen.

Ich empfehle das Buch zum einen denjenigen, die einen Überblick über die unterschiedlichen Stile des Taijiquan aus Sicht eines Wushu-Treibenden suchen, und zum anderen vor allem Menschen, die sich einen ersten Überblick über die Verwebungen mit der TCM verschaffen wollen. Hier macht das Buch Lust auf mehr. Insofern sollte es schon in der gut sortierten Taijiquan-Bibliothek stehen.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 2/2010

Das blaue Buch

Nina Wagner, Werner Klüfer & Denjamin Kasenda: »Wu-Stil Tai Ji Quan – Jiangbao: Die langsamen Formen«
Düsseldorf 2008, Hardcover, 208 Seiten, 48 Euro (D)/49,40 Euro (A),
ISBN 978-3-932330-03-2

Das blaue Buch des Wu-Stils ist in der dritten Auflage überarbeitet worden. Augenfällig ist der Wechsel zum Pinyin, aber viel interessanter sind die neu hinzugekommenen Texte zur Einbettung des Taijiquan in die chinesische Kultur. Damit ist dieses ohnehin schon sehr gute Taiji-Buch noch besser geworden. Sie bieten zwar Kennern nichts Neues, aber sie sind ein gutes Beispiel, wie man in Kürze tiefgehende Texte schreiben kann.

Der Kern des Buches besteht nach wie vor aus einer sehr ausführlichen Darstellung der langsamen Formen des Wu-Stils in der Tradition von Ma Yueliang und Ma Jiangbao, die beide auch Texte zum Buch beisteuerten. Die Prinzipien, Fuß- und Handstellungen sind der reich bebilderten langen Form vorangestellt. Ein ausgeklügeltes System von Bewegungsbeschreibungen, Details und Hinweisen – mit wichtiger und gelungener zweiseitiger Leseanweisung – ermöglicht eine wirklich informative Beschäftigung mit der Form. Anschließend wird in der gleichen Weise die kurze Form beschrieben.

Der Anhang beginnt mit Erklärungen und Übersetzungen der (chinesischen) Namen von den Bewegungen, die im Übrigen bei den Formen in Schriftzeichen, Pinyin und Deutsch stehen. Gelungen ist auch die Darstellung des Ablaufes der langen Form aus der Vogelperspektive.

Fazit: So sollten Taiji-Bücher sein, sofern sie wirklich dazu da sind, mit ihnen zu arbeiten. Aufgrund der Vielzahl an stilunabhängigen Informationen ist es auch für Praktizierende anderer Stilrichtungen empfehlenswert.
(Helmut Oberlack)

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