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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden


Meditation: Östliche Tradition und westliche Forschung

Heinz Hilbrecht: »Meditation und Gehirn. Alte Weisheit und moderne Wissenschaft«
Schattauer 2010, 220 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-7945-2795-3


Dieses Buch ist laut Klappentext »ein Handbuch für Meditierende, das östliche Weisheit auf dem Boden der Wissenschaft ins Leben holt«. Den Anspruch kann ich im Buch wiederfinden.

Meditation führt zu Erfahrungen, die der Alltagswahrnehmung zum Teil sehr widersprechen. Sie galten deshalb früher als unerklärlich. Aus diesem Grunde werden solche Techniken als »okkult« abgetan, bedauert Dr. Heinz Hilbrecht – selbst Meditierender, Naturwissenschaftler und Journalist. Ihm geht es aber nicht nur darum, das Renommee von Meditation in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu heben, er sorgt sich auch um diejenigen, die es mit Meditation versuchen. Gerade weil sich im westlichen Weltbild bisher keine Erklärung bot, können die bei der Meditation auftretenden veränderten Bewusstseinszustände als beängstigend empfunden werden und zu persönlichen Krisen führen.

Hier scheint mir Hilbrechts zentrale Motivation zu liegen, die Erklärung für Erfahrungen durch Meditation ganz an die verschiedenen – vor allem unbewussten – Hirnfunktionen anzubinden. Was er dabei zutage fördert, ist hochinteressant und lohnt die Lektüre unbedingt.

Der Autor fasst die Untersuchungsergebnisse von frühen Studien bis zu den aktuellsten (2010) immer im Hinblick auf seine jeweilige Themenauswahl zusammen, wie zum Beispiel sprachliches Denken und intuitives Denken, freier Wille, Theory of Mind, Empathie – um nur einige Stichworte zu nennen. So macht er aus ihnen quasi Beweismaterial für seine Darstellung dessen, was Meditation in den von ihm beschriebenen zehn Stufen leistet.

Er zeigt, wie die Ausdehnung unserer bewussten Wahrnehmung zunehmend zu einer Bewusstmachung bisher unbewusster Denkprozesse führt und wie sich das in entsprechenden Aktivitäten bestimmter Hirnareale nachweisen lässt. Hieraus leitet er schlüssig ab, warum Meditation ein effektives Mittel zu einem produktiven Umgang mit den Herausforderungen des Alltags ist: Wer seine eigenen unbewussten Impulse kennt und diese kontrollieren kann, dies schließlich auch empathisch auf andere ausdehnen kann, erweitert seine Selbstmächtigkeit wie auch seine soziale Kompetenz.

Das letzte Drittel des Buches widmet sich den Gefahren für Meditierende. In diesem Zusammenhang beleuchtet er das Verhältnis Lehrer-Schüler, die Auswirkungen von Drogenkonsum und den Umgang mit dem an die Oberfläche tretenden Unbewussten. Schließlich folgen noch gute vierzig Seiten praktischer Tipps und Hinweise, die augenscheinlich aus der eigenen 30-jährigen Meditationserfahrung des Autors erwachsen sind. Außerdem bietet das Buch ein Sachwortregister und ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Fasziniert hat mich einerseits, wie Heinz Hilbrecht aus den Ergebnissen der Forschung ein klares Plädoyer für die menschliche Willensfreiheit ableitet. Irritiert hat mich andererseits, das Mensch und Gehirn bei ihm nahezu mit einem Gleichheitszeichen verbunden sind: »Das Gehirn, also jeder einzelne Mensch, kann im Prinzip entscheiden, was er lernen will und wie er deshalb funktionieren will.«
Viel Diskussionsstoff ist hier zusammengetragen worden, in gut leserlicher Form – lesenswert!
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 3/2011

Chinesische Medizin für den Westen

Dr. med. Fritz Friedel: »Das Gesetz der Balance. Chinesisches Gesundheitswissen für ein langes Leben«
Gräfe und Unzer, 2. Auflage 2010, 192 Seiten, 19,90 EUR, ISBN 978-3-8338-1668-0

Eine für westlich geprägte Menschen gut verständliche Einführung in die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zu geben ist ein Kunststück, das aus meiner Sicht leider selten gelingt. Zentrale Begriffe sind teilweise nicht wirklich übersetzbar (Qi, Jing), teilweise scheinbar identisch (Blut, Herz) und meinen doch etwas ganz Verschiedenes. Bücher, die es genau nehmen, sind deshalb oft hoch komplexe Wälzer – und die anderen verleiten zu oberflächlichem Ergreifen des fremden Wissens, das eher verwirrt als erhellt.

Dr. Fritz Friedl, Jahrgang 1952, ist Allgemeinmediziner, hatte diverse Jahre eine Praxis für Naturheilverfahren und leitet seit 2003 die von ihm gegründete Klinik »Silima«, in der vorrangig nach den Verfahren der TCM therapiert wird. Der Autor studierte unter anderem bei Prof. Dr. Manfred Porkert, einem Sinologen, dem wir in Deutschland die ersten systematischen Zugänge zur TCM verdanken, und dem »Gesetz der Balance« ist tiefes und fundiertes Wissen aus beiden medizinischen Systemen in jeder Zeile anzumerken. Die Beschreibungen sind anschaulich, alltagsbezogen und gut nachvollziehbar.

Das Buch erklärt die Grundlagen wie Daoismus, Yin und Yang, Qi etc. Die Organfunktionskreise werden ausführlich im Zusammenhang mit der Theorie der fünf Wandlungsphasen erläutert. Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt liegt beim Thema »Mitte« und bei der Bedeutung des Immunsystems. Alles wird mit Fallbeispielen veranschaulicht, kleine Kästen mit Infos zu Begriffen und Tipps zum eigenen Gesundheitsverhalten machen das Ganze lesefreundlich. Qigong und Ernährung ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet, inklusive einer Übungsanleitung zur Harmonisierung der fünf Organfunktionskreise und einiger Kochrezepte aus der Klinikküche für eine Qi- und Substanz-stärkende Ernährung.

In Inhalt und Aufmachung macht das Buch also »Appetit«, Gesundheitsfürsorge in die eigenen Hände zu nehmen – dies ist auch die Intention des Autors.
Mein Fazit: Hier schlägt jemand so gekonnt die Brücke zwischen Ost und West, dass ich mich traue zu sagen: Wer dies Buch gelesen hat, hat eine gute Vorstellung davon gewonnen, was die TCM leisten kann und aus welchem geistigen Kontext die Wirkungsweisen von Qigong in der Gesundheitsfürsorge zu verstehen sind.
(Dietlind Zimmermann)

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Die fünf Wandlungen aus neuer Perspektive

Dieter Mayer: »Typgerecht trainieren mit der Bewegungslehre nach den Fünf Elementen«
Books on Demand 2010, 192 Seiten, 24,90 EUR, ISBN 978-3-8391-6756-4

Dieter Mayer ist Kampfkünstler und Bewegungslehrer. Er unterrichtet Taijiquan, Qigong, Escrima und Wing Chun Kung Fu. Aus dem Handwerk kommend packt er sein Thema handwerklich praktisch an – es geht ihm um die Umsetzbarkeit theoretischen Wissens in die Praxis von Lehrern, Trainern, Therapeuten. Das von ihm entwickelte Power-Response®-Training verbindet anatomische Kenntnisse, die Lehre der Kraftentwicklung aus dem Tuishou in „five steps“ seines Taiji-Lehrers Patrick Kelly und das Modell der fünf Elemente/Wandlungsphasen.

Die relative Offenheit der Fünf-Elemente-Theorie als Muster von Beziehungen hat es Dieter Mayer ermöglicht, die verschiedenen Ansätze zu einem interessanten Konzept zu verbinden. Von Kapitel zu Kapitel entfaltet sich schlüssig das Potenzial dieser neuen trainingsorientierten Sicht. Das Ganze wird unterstützt von einem durchgehenden grafischen Konzept, das das Wiedererkennen, Einordnen und innere Nachvollziehen des Beziehungsgeflechtes der fünf Trainingstypen gut ermöglicht.

Den verschiedenen anatomischen Phasen eines Bewegungsablaufs werden zugleich verschiedene Trainingstypen zugeordnet, entsprechend den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser. Dabei stellt der Autor eine anschauliche Verbindung zwischen den körperlichen Präferenzen des Übenden einerseits und den inneren Haltungen dem Training gegenüber anderseits her. Er erklärt aus der Struktur des Elemente-Modells heraus, wodurch innere Widerstände gegen das Training entstehen können und wie sie mit Hilfe der verschiedenen Beziehungen der Elemente untereinander überwunden werden können.

Daraus ergibt sich zuletzt eine schlüssige Darstellung, wie sich das bei Trainertypen spiegelt und wie diese mithilfe des vorgestellten Modells ebenfalls ihre Kompetenz erweitern können. Das Power-Response®-Training soll darüber hinaus den Trainer befähigen, im direkten Körperkontakt durch gezieltes Beeinflussen der muskulären Vorgänge des Übenden genau den Widerpart zu bilden, mit dem derjenige auch seine Trainingshemmnisse überwinden kann.

Ein praxisorientiertes Buch mit vielen Anregungen und eine positive Bereicherung für alle, die folgende Interessen haben: Vertiefung des Verständnisses der fünf Wandlungen, erfolgreiches Tuishou, Selbstverständnis und Anregung für gutes eigenes Trainieren, Train the Trainer, Coaching ... um mit Dieter Mayer zu sprechen: Hier werden alle fünf Typen fündig - der Kämpfer, der Spieler, der Vermittler, der Stratege und der Philosoph.
(Dietlind Zimmermann)

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Die Kultur des Bewusstseins

Prof. Dr. Wilfried Belschner: »Der Sprung in die Transzendenz. Die Kultur des Bewusstseins und die Entmystifizierung des Spirituellen«
LIT 2007, Psychologie des Bewusstseins Bd. 7, 208 Seiten, 14,90 Eur [D], 15,40 Eur [A] / 22,90 [sFr], ISBN 978-3-8258-0300-1

Angeregt zur Lektüre dieses Buches wurde ich durch den Eröffnungsvortrag, den Wilfried Belschner auf den 9. Deutschen Qigong-Tagen in Halle hielt: »Qualitätssicherung – zwischen Sehnsüchten, Versprechungen und Erwartungen«. Anders als zu vermuten war, ging es nicht um Ausbildungszertifikate, Doppelblindstudien und Ähnliches, sondern um die spezifischen Qualitäten des Bewusstseins, deren Entwicklung meditative Übungswege wie die unseren ermöglichen, und um die wissenschaftliche Nachweisbarkeit dieser Bewusstseinsqualitäten. Die wirklich erhellenden und wie ich finde motivierenden Thesen, die der inzwischen emeritierte Psychologieprofessor aus Oldenburg in seinem Vortrag knapp präsentierte, kann man in seinem Buch »Der Sprung in die Transzendenz« nachlesen.

In mehreren Artikeln, die unabhängig voneinander gelesen werden können, nimmt er uns mit auf eine persönliche Entdeckungsreise, die dazu führte, dass er der akademischen Psychologie sowie allen professionell therapeutisch Arbeitenden nahelegt, sich wieder mehr mit dem Phänomen Bewusstsein zu beschäftigen. Mehr noch: Er will es wieder als notwendige Größe in das Fach Psychologie einführen.
Er beschreibt, dass unsere kulturelle Fixierung auf das rationale Wachbewusstsein zu einem Dogma geworden ist, das andere Bewusstseinszustände letztlich als krankhaft aussondert oder leugnet. Genau hier kann der Kontakt mit einem Übungsgut aus einem anderen Kulturkreis wahrhaft »erleuchtend« wirken. So hat es Wilfried Belschner am eigenen Leib erfahren. Durch jahrelanges Studium des Zazen sowie intensive Erfahrungen mit Qigong kam er in Kontakt mit den verschiedenen Bewusstseinsstufen, die er auf einer Achse zwischen »dual« (Alltagsbewusstsein) und »non-dual« (höhere Bewusstseinszustände) verortet. Er beschreibt sie bezogen auf die Art, wie wir interagieren, als sachlich-rational – empathisch – von der Erfahrung reiner Bewusstseinsqualitäten getragene Begegnung – von der Erfahrung der Non-Dualität getragene Resonanz.

Es handelt sich hier um ein wissenschaftliches Fachbuch und so liest es sich nicht »eben mal so weg« –, auch wenn Wilfried Belschner über weite Strecken sehr lebendig und persönlich schreibt. Aber wer wissen möchte, wie sich die entscheidenden Qualitäten unserer Übungswege in der Sprache der Psychologie beschreiben lassen, der wird in diesem Buch fündig.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 4/2007

Achtsame Pädagogik

Nils Altner: »Achtsamkeit und Gesundheit. Auf dem Weg zu einer achtsamen Pädagogik«
Prolog Verlag 2006, Reihe Bewegungslehre und Bewegungsforschung Band 26, 356 Seiten Pb., ISBN 3-934575-29-3

Vor dem Hintergrund der immer schlechteren allgemeinen Gesundheit gerade auch bei Kindern erscheint es sinnvoll und notwendig, pädagogische Einrichtungen gesundheitsfördernd zu gestalten und das schließt auch die Beziehungen unter den Menschen ein. Nils Altner hat in seiner Doktorarbeit untersucht, wie sich Methoden der Achtsamkeitsschulung in diesem Zusammenhang auswirken können. Als Beispiele zieht er die stille Meditation, Hatha Yoga und Qigong heran sowie die Mindfulness-based Stress Reduction.

Die Arbeit ist in drei große Bereiche gegliedert. Der erste Teil führt in Theorie und Praxis von Achtsamkeit, die pädagogisch relevanten Aspekte von Gesundheit sowie Achtsamkeit als Gesundheitsressource bei Erwachsenen ein. Teil zwei thematisiert die Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen, den Einfluss der Schule auf die Gesundheit von SchülerInnen und LehrerInnen sowie die Achtsamkeits-praxis mit Schulkindern. Im dritten Teil geht der Autor auf die Bedeutung von Achtsamkeit für die Persönlichkeitsentwicklung von SchülerInnen und PädagogInnen ein. Als Pädagoge richtet sich sein Interesse vor allem auf das Entwicklungs- und Bildungspotenzial, das er in der Förderung von Achtsamkeit sieht und das weit über eine direkte Verbesserung der Gesundheit hinausweist.

Das Buch bietet eine Fülle von Informationen zum Thema Achtsamkeit und einen Überblick über die zahlreichen Forschungen, die zu einzelnen Bereichen durchgeführt wurden. Obwohl als Dissertation geschrieben, ist es gut zu lesen und durch die detaillierte Gliederung sehr übersichtlich.

Es überrascht nicht, dass Nils Altner an vielen Beispielen die positive Wirkungen von Achtsamkeitsschulung aufzeigen kann. Er weist jedoch in seinem Fazit darauf hin, dass es ihm nicht um deren Instrumentalisierung für bestimmte Zwecke geht: »So haben wir Achtsamkeit unter den Aspekten von vier Fähigkeiten betrachtet, die in ihrer Gesamtheit eine bestimmte Lebenshaltung beschreiben. Diese Fähigkeiten betreffen das bewusste Richten und Verweilen-Lassen der Aufmerksamkeit, die sinnliche und wache Präsenz des Bewusstseins im gegenwärtigen Moment, die selbstreferenzielle Wahrnehmung des eigenen Daseins sowie die Fähigkeit, dem Wahrgenommenen mit liebevoller Achtung begegnen zu können. Achtsam Sein lässt sich als eine Haltung zum Leben beschreiben, deren Wert in sich selbst liegt und die zu den Stärken gehört, die Menschen in ihrem Leben entwickeln können.«
(Almut Schmitz)

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TQJ 4/2010

Zhanzhuang Gong

Peter den Dekker: »The Dynamics of Standing Still«
Back2Base Publ., 247 Seiten, geb., 32,95 Euro, ISBN 978-94-90580-01-8

Peter den Dekker bietet in seinem Buch über Zhanzhuang viele Erklärungen und Beispiele aus der Natur, aus dem Industriedesign, aus Kunst und Sport, wie eine Struktur verstanden und in sich verbunden werden kann. Das Buch ist in drei Bereiche mit jeweils drei Kapiteln (zum Rumpf, Beinen und Armen) aufgeteilt. Jeder Bereich wird durch eine kurze persönliche Geschichte eingeleitet und die Essenz dieser Geschichten taucht in den anschließenden Kapiteln immer wieder auf, was die Aufmerksamkeit wach hält. Das meiste in diesem Buch war für mich nicht wirklich neu, aber mir gefiel die Art der Darstellung.

Was doch neu für mich war, betraf die Ausführung der Standübung im Liegen und in geringerem Maß das Drehen in der Taille und nicht mit den Hüften beim Stehen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Peter den Dekker darauf hinweist, dass wir in Armen, Beinen und Rumpf oberflächliche und tiefere Muskulatur haben und die tiefere Muskulatur trainiert werden sollte. Während das für den Rumpf möglicherweise zutrifft, ist es so, dass in den Extremitäten und größtenteils auch im Rumpf einfach die Muskeln, die wir im Alltag benutzen, so trainiert werden müssen, dass sie anders und auf eine stärker verbundene Art arbeiten.

Ein Teil des Trainings im festen Stand besteht darin, die Balance zwischen den langsam und den schnell kontrahierenden Fasern innerhalb jeden Muskels zu verändern und in der Aufmerksamkeit für die Haltung. Sportler mit mehr schnell kontrahierenden Fasern sind gut in schnellen, kraftvollen Bewegungen, aber sie sind auch schnell erschöpft. Sportler mit langsam kontrahierenden Fasern sind besser darin, eine Position zu halten sowie in anhaltender Bewegung wie einem Marathonlauf. Aus dem Dehnen der langsamen Fasern erzielen die Inneren Kampfkünste ihre »entspannte« Kraft. Auf mein Nachfragen erklärte mir Peter, dass das Konzept von tieferer und oberflächlicher Muskulatur für ihn gut funktioniert wegen der Yin- und Yang-Energien im Körper, mit denen er als Akupunkteur arbeitet.

Im Anhang ist eine sehr klare und kompakte Beschreibung der sieben Stufen des Dazheng-quan zu finden, dessen erste Stufe das Zhan-zhuang Qigong darstellt. Was mir an diesem Buch am besten gefallen hat, sind die persönlichen Erfahrungen, die der Autor mit seinem Hauptlehrer Lam Kam Chuan gemacht hat und in denen der Unterschied zwischen dem westlichen kognitiven Ansatz und dem östlichen »finde es selbst heraus, indem du mehr übst« sehr klar zum Ausdruck kommt.
Das Buch richtet sich mehr an AnfängerInnen, aber auch Fortgeschrittene werden sicherlich viele Beispiele dafür finden, wie man etwas auf eine andere Art betrachten oder mit einer anderen und vielleicht tieferen Idee von der Übung praktizieren kann. Es ist gut geschrieben, wunderschön illustriert und der Autor spricht aus eigener tiefer Erfahrung.
(Epi van de Pol)

Bisher ist das Buch nur auf Englisch erschienen, Ausschnitte kann man unter
www.thedynamicsofstandingstill.com anschauen.

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TQJ 4/2009

China-Knigge

Yu-Chien Kuan/Petra Häring-Kuan: »Der China-Knigge. Eine Gebrauchsanleitung für das Reich der Mitte«,
Fischer TB, 5. Auflage 2008, 315 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 978-3596166848

Sie planen eine Reise ins Ursprungsland von Qigong und Taijiquan? Sie möchten Ihre chinesische Lehrerin oder Ihren chinesischen Lehrer nach Deutschland einladen und wollen den Aufenthalt so gestalten, wie es der Bedeutung der geschätzten Person entspricht? Da könnten einige Tipps von Nutzen sein!

Das Anderskulturelle, mit dem wir schon beim Erlernen von Taijiquan und Qigong konfrontiert sind, bezieht sich auch auf das Zwischenmenschliche, die Kommunikation allgemein, die Umgangsformen im Besonderen. Und hier lauern Missverständnisse ohne Ende.

Kenntnisreich und unterhaltsam schafft da der »China-Knigge« des in Hamburg lebenden Sinologen Yu-Chien Kuan und seiner ebenfalls fachkundigen Ehefrau Petra Häring-Kuan Abhilfe. Das Autorenpaar kommt aus beiden Kulturkreisen und hat wechselseitig persönlich wohl alle Stolpersteine kennengelernt. Das Buch ist mit einer Fülle von erlebten und erzählten Anekdoten angereichert, die humorvoll und variantenreich vor Augen führen, wie leicht man sich zutiefst missverstehen kann.

Sollte man etwas zu trinken anbieten? Ist eine höfliche Ablehnung (auch mehrere) ernst zu nehmen? Wie muss eine Essenseinladung aussehen, damit der Gast sich nicht gar fehl am Platze fühlt? Ist es höflich, den Teller leer zu essen oder sollte man etwas übrig lassen? Sind einige private Sätze im geschäftlichen Umgang angebracht oder nicht?

Selbst wenn man nicht in die »Verlegenheit« kommt, GastgeberIn von ChinesInnen zu sein: Wenn Sie Ihr Üben im Taijiquan und Qigong als Gelegenheit empfinden, sich und Ihre eigene Kultur im Kontakt mit der fremden neu anzuschauen und besser zu verstehen, dann ist dies Buch eine interessante Bereicherung. Denn natürlich ist das Miteinander, das eine andere Kultur pflegt, auch eine Art Spiegel, der uns auffordert, das Eigene noch einmal genauer zu betrachten.

Der »China-Knigge« ist ein nützliches, amüsantes Buch, das obendrein Stoff für Diskussionen über die eigene Kultur enthält.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 3/2010

Chinesische Eigentherapie bei psychosomatischen Rückenschmerzen

Frank Seefelder: »Chinesische Rückenschule. Eigentherapie bei Rückenschmerzen, Rheuma und Osteoporose«, Leitfaden chinesische Eigentherapie Bd. 4
Schirner Verlag 2010, 224 Seiten, EUR 14,95, ISBN 978-3897678675

Frank Seefelder ist TCM-Lehrer, Entspannungspädagoge, Dozent und Autor der Buchreihe »Leitfaden chinesische Eigentherapie« im Schirner Verlag. Mit diesem Ratgeber möchte er zu verschiedenen Feldern gesundheitlicher Störungen ein für die Leser selbstständig durchführbares Therapieprogramm anbieten. Band 4 beschäftigt sich mit der Volkskrankheit Rückenschmerzen.

Es findet sich die Einteilung: allgemeine Rückenschmerzen, solche der Lendenwirbelsäule, der Brustwirbelsäule, der Halswirbelsäule sowie Therapievorschläge bei Rheuma und Osteoporose.

Sein Ansatz basiert auf dem Grundgedanken, dass die Krankheitsbilder psychosomatischen Charakter haben und erfolgreich mit einer Methode behandelt werden können, die gleichermaßen somatische und mentale Aspekte umfasst.
Der Titel der Reihe »Chinesische Eigentherapie« erscheint ein wenig irreführend, da hier vieles einfließt, das nicht aus TCM-Quellen stammt. Damit eröffnet uns Frank Seefelder einerseits einen breiten Erfahrungsschatz, sorgt aber andererseits auch für diverse Unklarheiten. Begriffliche Ungenauigkeiten und Verknappungen irritieren, zum Beispiel im Glossar: »Dantien: Begriff für das Energiezentrum, auch Zinnoberfeld genannt. Es existieren fünf Energiezentren, die im Oberkörper verteilt sind«.

Allemal lobenswert ist Frank Seefelders Anspruch, der Volkskrankheit Rückenschmerzen mit einem ganzheitlichen Konzept zu begegnen. Der Autor baut sein Programm auf den Säulen Entspannung/Meditation/Konzentration, Akupressur, Qigong und Ernährungsempfehlungen auf. Die Lage der Akupunkturpunkte für Selbstmassage ist gut beschrieben und bebildert. Die diätetischen Tipps sind mit einigem »Fachchinesisch« gewürzt, das für LeserInnen ohne Vorkenntnisse eher schwer verdaulich sein dürfte. Aber zumindest öffnet es das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Rückenschmerz aus Sicht der TCM. Die Qigong-Übungen sind durchgängig anschaulich beschrieben und bebildert, so dass ich sie durchaus nachvollziehbar fand. Ob das für AnfängerInnen und gar für Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen ebenso gilt, bleibt wie immer eine offene Frage.

Sehr deutlich zeigt Frank Seefelder auf, dass Probleme, die auf den alltäglichen Lebensstil zurückgehen, nur durch Veränderung der Gewohnheiten und konsequentes Training zu beeinflussen sind. So macht es Sinn, dass das Buch am Ende für jede Problematik einen zweiwöchigen Übungsplan anbietet, mit Raum für eine eigenverantwortliche Gestaltung des Programms: Die LeserInnen werden angeregt, sich für ihren eigenen Therapieplan in jedem Feld – Qigong, Entspannung, Akupressur – jeweils zwei bis drei Übungen herauszusuchen. Ein Wochenplan unter dem Motto »Wann haben Sie trainiert?« soll für Motiva-tion und Selbstkontrolle sorgen.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 1/2009

Chinesische Medizin

Enver Bunjaku: »Chinesische Medizin. Wege zu seelischer und körperlicher Gesundheit«
Books on Demand 2008, 204 Seiten, 24 Eur, ISBN 978-3-8370-1747-2

Dies soll ein Praxisbuch sein, und vorweg gesagt: Das ist gelungen. Enver Bunjaku arbeitet nicht nur seit 15 Jahren als Heilpraktiker und seit 2000 im Centrum für Traditionelle Chinesische Medizin in Potsdam und Berlin, sein Ausbildungshintergrund umfasst ein Studium der Medizin und der Psychologie sowie Ausbildungen in chinesischer Medizin, Chiropraktik und Osteopathie.
Dem Buch ist in jedem Satz anzumerken, dass es aus der Praxis mit den PatientInnen und diesem umfassenden Wissenshintergrund entstanden ist. Im Vorwort spricht der Autor davon, dass vielfach PatientInnen danach gefragt hätten, was sie selbst beitragen könnten, und in diesem Buch versucht er mit einer guten Mischung aus einfach aufbereitetem theoretischem Hintergrundwissen und praktischen Selbstbehandlungsanleitungen allen Interessierten einen leicht nachvollziehbaren Zugang zu eröffnen.
Diesen Alltagszugang bietet das psychodynamische Modell der fünf Wandlungsphasen. Nach wenigen Seiten hat Enver Bunjaku Themen wie Qi, Blut, Yin und Yang abgehandelt und widmet sich danach konsequent der Betrachtung von Gesundheit und Krankheit unter dem Modell der fünf Wandlungen.

Wie in allen solchen Werken finden wir eine Menge Tabellen mit Zuordnungen, die sich zum Teil erfreulich von anderen Werken abheben und auch Hinweise einschließen, die nicht aus der TCM abgeleitet sind, sondern anderem Erfahrungswissen entspringen.

Was die praktische Umsetzung betrifft, hat der Autor das Wort Selbstbehandlung wörtlich genommen. Er weist den fünf Funktionskreisen mit ihren organischen und emotionalen Grundfunktionen je einen Finger der Hand zu. Nach einer kurzen Einführung über die Sicht der TCM auf die enge Vernetzung von Psyche und Soma widmet sich fast die gesamte zweite Hälfte des Buches der Selbstbehandlung emotionaler Spannungszustände anhand von Meditationsübungen und Massageanwendungen in Bezug auf Hände und Finger. Diese sind ausführlich und nachvollziehbar beschrieben. Dabei hat der Autor auch einen Warnhinweis über die Grenzen der Selbstbehandlung nicht vergessen.

Die Aufteilung der Kapitel führt leider zu einigen Wiederholungen, aber insgesamt ist ein ausgesprochen gelungenes Buch entstanden, das motiviert, die Gesundheit »in die eigenen Hände« zu nehmen – mehr noch als ein Buch über chinesische Medizin an sich. Aber dennoch bietet es auch hier eine interessante, weil bisher wenig verfolgte Perspektive: die psychotherapeutischen Möglichkeiten der TCM und des Modells der fünf Wandlungen, insbesondere auch im Sinne der Selbstregulation. Und es ist allemal eine gute Lektüreempfehlung für TCM-Patienten.
(Dietlind Zimmermann)

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TQJ 4/2006

Die Psychosomatik der acht Sondermeridiane

Achim Eckert: »Acht Wundermeridiane. Psychische und physische Funktionen der Acht Außerordentlichen Gefäße der traditionellen chinesischen Medizin«
Dào 2006, 358 Seiten geb., 74 EUR, ISBN 978-3-200-00608-9

Nachdem er in »Das Tao der Akupressur und Akupunktur« bereits eine sehr umfassende Darstellung aller Organmeridiane und ihrer Punkte gegeben hat, präsentiert Achim Eckert in seinem neusten Werk die wohl ausführlichste Beschreibung der acht »Außerordentlichen Gefäße« zumindest in der europäischen Literatur. Sie ist geprägt von einem ausgesprochen ganzheitlichen Medizinverständnis, in dem emotionale, körperliche, geistige, energetische, soziale und spirituelle Dimensionen gleichermaßen wahrgenommen werden.
Achim Eckert ist Mediziner mit Ausbildungen in chinesischer und westlicher Medizin, Shiatsu, Meditation und Struktureller Bindegewebsmassage. 1992 begann er mit einem Forschungsprojekt, in dem er nicht nur die genaue Lokalisation der klassischen Akupunkturpunkte, sondern auch ihr geistiges, emotio-nales und energetisches Wirkungsspektrum untersuchte. Zahlreiche Probanden schrieben ihre individuellen Erfahrungen bei der Behandlung der einzelnen Punkte auf. Daraus entstand ein ungewöhnlich vielschichtiges Bild der jeweiligen Wirkungen.

In Bezug auf die acht Wundermeridiane, die ja abgesehen von Renmai und Dumai keine eigenen Punkte haben, wurden verschiedene Kombinationen von Punkten, die mit jeweils einer dieser Leitbahnen in Verbindung stehen, sowie Akupressurbehandlungen von zwei bis drei sich gegenseitig in ihrer Wirkung unterstützenden Meridianen getestet. Die zusammengefassten Ergebnisse sind im vorliegenden Werk zusammen mit einer hervorragenden Einführung in die chinesische Energie- und Substanzenlehre systematisch dargestellt. Dabei werden bei den paarigen Meridianen zusätzlich die japanischen Verläufe beschrieben, die teilweise erheblich von den chinesischen abweichen.

Es ergibt sich ein sehr lebendiges Bild von der Rolle, die die Sondermeridiane im Menschen spielen. Neben ihren Funktionen als Qi-Reservoir und ausgleichenden Verbindungen zwischen den Organmeridianen wird ihr Einfluss auf die Wahrnehmung – sowohl für sich selbst als auch für die Umgebung –, die Gehirnaktivität, die Regenerationsfähigkeit, eben die grundlegende Energetik deutlich. So können sie beispielsweise genutzt werden, um sich bei großer Erschöpfung rasch und gründlich zu erholen oder um sich auf besondere Herausforderungen wie einen Auftritt als KünstlerIn, einen sportlichen Wettkampf oder anspruchsvolle geistige Arbeit vorzubereiten.

Insgesamt inspiriert das Buch dazu, auch selbst genau nachzuspüren, zu beobachten und zu experimentieren. Und dazu liegt noch ein weites Feld vor uns, da sich die Erkenntnisse, die Achim Eckert hier auf klar verständliche Weise mit uns teilt, ja zunächst nur auf Behandlungen mit Akupressur und Akupunktur beziehen.
(Almut Schmitz)

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TQJ 3/2007

Kampfkunst für Kinder

Chen Jianghong: »Junger Adler«
Moritz Verlag 2006, Bilderbuch ab 5 Jahre, 40 Seiten, Preis: 16,80 EUR,
ISBN 978-3-89565-175-5

»Avatar – Der Herr der Elemente«
Buch 1, Vol. 1 2007, DVD, FSK: ab 6 Jahre, 92 Spielminuten,
zu beziehen z.B. über Amazon:
Preis 9,95 EUR

In letzter Zeit werden vermehrt Bücher sowie CDs oder DVDs veröffentlicht, die sich damit beschäftigen, wie man mit Kindern Taijiquan oder Qigong üben kann. Was ist aber mit Veröffentlichungen, die das Thema für Kinder aufbereiten, so dass diese sich eigenständig damit auseinandersetzen können? Schwieriges Thema. Zwei Beispiele aus eigener Erfahrung, mein Sohn ist sechs Jahre alt, möchte ich hier kurz vorstellen.

Zum einen ein Bilderbuch mit kurzen Texten namens »Junger Adler«. Die Geschichte eines Waisenjungen, der von einem Meister des Adlerboxens aufgenommen und später ausgebildet wird. Erzählt wird mit fein gezeichneten Bildern die klassische Geschichte vom Meister und seinem Schüler. Der Schüler eifert erst heimlich dem Meister nach und wird nach langen, mühevollen Jahren selbst zum Meister. Obwohl die Geschichte sehr ernste Töne anschlägt, wird sie gerne zum Schlafengehen gelesen und gehört. Meinem Sohn wurde durch die Geschichte bewusst, dass Fertigkeiten nicht vom Himmel fallen und erst beständiges Üben irgendwann zur Meisterschaft führt. Abgesehen davon fühlte er sich ermutigt, die gezeigten Techniken nachzuahmen, was ihm einen weiteren Motivationsschub für sein Training gab.

Zum anderen gibt es eine Fernsehserie, die auf dem Kindersender NICK lief und nun nach und nach auf DVD erscheint. Sie erzählt die Geschichte von Aang, dem letzten der Luftbändiger, der mit einer Freundin herausfindet, dass er der Avatar ist, derjenige, der als Einziger die vier Elemente ins Gleichgewicht bringen kann. Dafür muss er lernen, alle vier Elemente zu beherrschen, und macht sich auf die Reise, diese Aufgabe zu erfüllen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Welt seit 100 Jahren im Krieg ist. Die Feuernation versucht die anderen drei Nationen zu unterjochen.

Es handelt sich um eine Animationsserie, die sich allerdings positiv abhebt von den gängigen japanischen Serien, die des Nachmittags die TV-Schirme beflimmern. Einerseits wird das hoch philosophische Thema der Elemente sehr spielerisch behandelt, andererseits kommen Humor, Action und Zwischenmenschliches in keiner Weise zu kurz. Einfühlsam und nicht zu überdreht kommt Avatar daher. Der Held ist sympathisch, hat außergewöhnliche Fähigkeiten, ohne überheblich zu sein und weiß, dass er noch eine Menge zu lernen hat.

Avatar kommt aus den USA und die Merchandise Welle hat Deutschland voll erfasst. Allerdings hat mein Kleiner auch seit den Playmobil-Rittern nicht mehr so viel und ausdauernd allein gespielt wie mit den Avatar-Figuren.
Natürlich sind solche Medien Geschmackssache. Ich persönlich finde sowohl das Buch als auch die DVDs gut, weil sie meinen Sohn beschäftigen und nachwirken und zum Nachdenken anregen.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 2/2007

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China hörbar

Antje Hinz: »China hören. Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte Chinas von der Mythologie bis in die Gegenwart«
Silberfuchs 2006, CD mit Beiheft, ca. 80 Spielminuten, Preis: 24 EUR (D), 24,20 EUR (A), ISBN 978-3-9810725-2-5

Es gibt Bücher über China und DVDs, Reiseberichte oder Philosophisches, Geschichte und Mythologie. Was es selten gibt, ist eine umfassende, aber doch übersichtliche Abhandlung über die Kulturgeschichte Chinas. Zu vielfältig scheint das Thema, zu erschlagend die Menge an Informationen. Wo fängt man an, wo hört man auf?

Nun kommt der Silberfuchs Verlag und präsentiert eine umfassende und doch leicht verdauliche Übersicht über 4000 Jahre China. Vom mystischen Ursprung der Welt bis hin zum Spannungsfeld Vergangenheit und Moderne in China – vom China der vorkaiserlichen Zeit bis hin zur Volksrepublik – von den philosophischen Grundlagen bis hin zur Peking-Oper. Interessierte finden hier zu jedem Aspekt interessante Informationen. Diese Tatsache allein ist schon ein Lob wert.

Das größte Lob gibt es allerdings für die Wahl der Präsentation: Es wurde eine Hör-CD produziert. In 20 Kapiteln werden die Geschehnisse in handlichen Häppchen serviert und man kann sowohl die ganze CD hören, die es auf immerhin 79 Minuten Spielzeit bringt, oder sich einzelne Kapitel raussuchen. Das Ganze stets unterlegt mit chinesischen Klängen, was es einem noch leichter macht, in die Materie einzutauchen, auch wenn es nur für wenige Minuten ist. In Rolf Becker fand der Verlag einen Sprecher, der mit seiner Stimme angenehm ins Thema passt und an entsprechender Stelle für wichtige Nuancen sorgt.

Alles in allem eine wirklich gelungene CD, die von der Aufbereitung her nicht nur für Erwachsene, sondern durchaus auch für Jugendliche und Kinder geeignet ist. So macht Wissen Spaß und wir können nur hoffen, dass wir in Zukunft weitere solcher Werke hier besprechen können.
(Frank Aichlseder)

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TQJ 4/2007

Meditation für den inneren Weg

Hetty Draayer: »Finde dich selbst durch Meditation – Ein Lese- und Übungsbuch«
Schirner Verlag 2007, 660 Seiten, 13,95 EUR(D) / 14,40 EUR(A) / 25,20 SFr,
ISBN 978-3-89767-538-4

Hetty Draayer, geboren in Indonesien, kam durch ihre Gefangenschaft in einem japanischen Lager während des Zweiten Weltkrieges auf den inneren Weg. Nach einer schweren Erkrankung lebte sie für einige Zeit in Rütte im Zentrum von Graf Dürckheim und begann danach ihre Arbeit mit Menschen, die sie bis ins hohe Alter fortführte. Aus der Stille heraus hatten sich ihr ursprüngliche Verbindungen zwischen dem Körper, der Seele und der geistigen Welt erschlossen und auf diesem Weg begleitete sie viele Menschen.

Graf Dürckheim fuhr selbst viele Jahre regelmäßig zu ihr und vertraute sich ihrer Führung an. Im Vorwort zu ihrem ersten Buch schrieb er: »Es ist, als ob jeder Teil unseres lebendigen Leibes eine eigene besondere Weisheit enthielte, deren Bewusstwerdung die Übungen von Hetty Draayer ermöglichen. Wenn man diese Übungen wirklich mit voller innerer Beteiligung vollzieht, ist man nach der Übung nicht nur anders, sondern ein Anderer, mehr man selbst.«

Ich freue mich, dass nun noch einmal ein neues Buch von ihr erschienen ist, das die Grundlagen ihrer Arbeit, die in ihren ersten vier Büchern enthalten sind, zusammenfasst und systematisch erschließt. In den begleitenden Texten lässt sie uns teilhaben an ihren eigenen Erfahrungen auf dem inneren Weg und macht Mut, sich darauf einzulassen. Es ist ein Weg, der in der westlichen Kultur seine Wurzeln hat und doch mit dem Meridiansystem der chinesischen Medizin arbeitet und auch mit den Chakren. Die Übungen sind so genau beschrieben, dass man sie nach dem Buch allein ausführen kann.

Das Besondere an der Arbeit von Hetty Draa-yer sind das so genannte kosmische Auge im Kreuzbeinbereich und das Geborgensein in der eigenen Schale des Beckens, aber auch in der größeren Schale unter den Füßen. Von dort aus erschließt sie die inneren Räume des Körpers bis hin zu den Energiekörpern mit dem Bewusstsein und dem feinen Energiefluss. Dadurch lernen wir, unsere eigene Erde anzunehmen, uns darin zu verwurzeln, bevor wir uns mit dem Himmel verbinden. Für mich sind diese Übungen die Basis meiner Arbeit geworden und eine wunderbare Ergänzung zum Qigong.
(Elvira Glück)

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TQJ 3/2006

Die Wassermethode der daoistischen Meditation

Bruce Kumar Frantzis: »Im Tao sein – Entspannung in Achtsamkeit. Die Wasser-Methode der Taoistischen Meditation«
Buch I, Windpferd 2006, 208 Seiten, 14,90 EUR, ISBN 3-89385-503-3

In der daoistischen Meditation werden zwei Wege unterschieden, die Feuer- und die Wasser-Methode. Während die Feuer-Methode Kraft und Vorwärtsstoßen betont, liegt der Schwerpunkt bei der Wasser-Methode auf der Entspannung und dem Loslassen, vergleichbar den Eigenschaften des Wassers, nachgiebig und fließend zu sein. Bruce K. Frantzis lernte bei seinem daoistischen Meister Liu Hung Chieh, der beide Methoden lehrte, die Wasser-Methode. Diese beschreibt er erstmalig ausführlich in zwei Bänden. Der vorliegende erste Band widmet sich der Vorbereitungs- und der Zwischenstufe. Die fortgeschritteneren Techniken werden im zweiten Band »Die große Stille« beschrieben, der für Februar 2007 angekündigt ist.

Die Wasser-Methode, die im Yijing verwurzelt ist und deren Leitgedanken im Daodejing enthalten sind, basiert auf dem Prinzip »Was auch immer du tust, muss sich mühelos anfühlen«. Das bedeutet nicht Schlaffheit und Bequemlichkeit, sondern volle Anstrengung, jedoch ohne Krafteinsatz und ohne die eigenen Grenzen zu überschreiten. Der Kern der Praxis ist das Auflösen von gebundener Energie sowohl nach außen in den Übungen des Qigong als auch nach innen in der Meditation. Die Übungen werden im Stehen oder Sitzen ausgeführt, in Verbindung mit der Atmung und Aufmerksamkeitsführung, und auch in Bewegung.

Da es ein Lehrbuch sein soll, sind die Übungen in einzelne Lektionen aufgeteilt, die aufeinander aufbauen. Die Atemübungen sind klar und anschaulich beschrieben mit konkreten Hinweisen, was zu beachten ist. Die Bewegungsübungen, die unbedingt als Ergänzung empfohlen werden, können aber anhand der Beschreibung nicht ausgeführt werden. Zum einen ist es ohnehin schwierig, Bewegungs-übungen aus einem Buch zu lernen, wenn aber nicht einmal ein einziges Bild vorhanden ist, das die Übungen veranschaulicht, wird es völlig unmöglich. Schade, dass hier gespart worden ist. Die Anwendung der Meditation in sexuellen Beziehungen, die im Klappentext angekündigt wird, fehlt im Buch leider völlig.

Dennoch kann ich das Buch empfehlen. Besonders haben mir die Übungen mit den Füßen gefallen, auch die Beschreibungen der Energiekanäle und Energiekörper. Und ich habe selten ein Buch gesehen, das so ausführlich den Stufenweg der persönlichen Entwicklung in der daoistischen Meditation beschreibt, mit allen Schwierigkeiten und Fallstricken.
(Elvira Glück)

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Taiji-Wege auf dem Spielbrett

Cornelia Gruber-Bilgeri: »Sifu« – Brettspiel für drei bis sechs Personen
2009, zu beziehen über die Homepage www.taichichuan-cornelia.com, CHF 60, EUR 41 plus Porto

Sifu ist ein strategisches Brettspiel. Ziel ist es, zu den zwölf auf dem Brett vorgegebenen Kampfkunstschulen (Wuguan) zu reisen, die dort gelehrten Kompetenzen auf dem Weg des Taijiquan zu erwerben und Sifu zu werden.

Erreichen kann man dieses Ziel durch eine Reise in drei Etappen (Jahreszeiten). In jeder Etappe können maximal fünf Wuguan besucht werden. Jede Etappe wird zunächst verdeckt hinter einer Deckwand geplant, wobei die Stationen mit jeweils einem Energiestein eines der fünf Elemente (Erde, Metall, Wasser, Holz, Feuer) oder dem Meditationsstein belegt werden. Danach legen alle Mitspieler ihre Etappen vor der Deckwand offen.

Treffen zwei oder mehr Reisende in einer Kampfkunstschule aufeinander, so findet ein Duell statt, die eingesetzte Energie entscheidet nach dem Gesetz der fünf Elemente dessen Ausgang. Der Sieger des Duells erwirbt die Kompetenz der Schule, der Verlierer muss sie erneut aufsuchen. Hat ein Spieler den Meditationsstein gewählt, so verzichtet er auf das Duell und die zu erwerbende Kompetenz und gewinnt dafür einen Qi-Chip. Am Ende einer Etappe wird diese ausgewertet und die nächste beginnt.
Sobald ein Spieler alle Kompetenzen erworben hat, wird er zum Sifu erklärt und das Spiel ist zu Ende. Wenn während der dritten Etappe niemand Sifu wird, gewinnt am Ende dieser Etappe der Spieler mit den meisten Kompetenzen und Qi-Chips.

Das Spielbrett und die Deckwände sind optisch ansprechend gestaltet, die Kompetenzkarten schön gezeichnet. In der Gestaltung wird deutlich, mit welcher Liebe zum Detail das Spiel entwickelt wurde. Auf einem Übersichtsblatt werden die Begriffe erläutert und die den einzelnen Schulen zugesprochenen Kompetenzen dargestellt. So ist die Spielidee auch für Nicht-Taijiquan-Kundige gut zugänglich. Für Taijiquan-Praktizierende stellt das Spiel eine schöne Möglichkeit dar, sich zur Beschäftigung mit den Grundlagen und den verschiedenen Strömungen dieser Kunst anregen zu lassen.

Die Regeln sind gut erklärt und ermöglichen einen schnellen Spielstart. Das Spiel lässt sich gut spielen, erfordert eine Strategie und durch Sonderregeln lässt sich der Reiz des Spieles zusätzlich erhöhen.
»Sifu« wurde von Cornelia Gruber-Bilgeri am Eröffnungsabend des Tai-Chi-Tcho-Treffens 2009 in La-Chaux-de-Fonds vorgestellt und unter Anleitung der Autorin und ihrer Mitentwickler an über zwanzig nach Sprachen sortierten Tischen von den TeilnehmerInnen des Treffens ausprobiert. Der Mut, das Spiel in diesem Kreis einzuführen, wurde belohnt: Die Übung gelang! Was gibt es Besseres über ein Spiel zu berichten, als dass es an fast allen Tischen – nach der Auflösung des Sprachengewirrs – über die erste Etappe hinaus von beinahe 120 TesterInnen aus verschiedenen Ländern leidenschaftlich und begeistert weitergespielt wurde?
(Thomas Kleinheinrich)

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TQJ 3/2007

Daodejing für jeden Tag

Isolde Schwarz: »Tao Te King Meditationskarten«
AGM Urania Verlag 2006, 49 Meditationskarten mit Begleitbuch, 19,90 EUR,
ISBN 978-3-03819-034-9

Isolde Schwarz lädt ein zu einer Reise in die Welt des Daodejing, des etwa 2500 Jahre alten chinesischen Wahrheitsbuches. Neben der Bibel ist es das meistveröffentlichte Buch der Welt. Es ist in unzähligen Versionen und Übersetzungen erschienen. Isolde Schwarz hat diesen klassischen Text, der auf den »alten Meister vom Berge«, den Philosophen Laozi zurückgeht, in 49 Meditationskarten für Menschen der heutigen Zeit erfahrbar gemacht.

»Öffnest du dich dem Tao, so bist du eins mit dem Tao«, heißt es im Vers 23. Mit poetischen Bildern bahnt sie dem Betrachter einen Zugang zum Dao, dem natürlichen Lauf aller Dinge. Ihre Fotos zeigen Naturschönheiten zwischen Himmel und Erde, Wind und Wasser, Licht und Schatten. Sinnbildhafte Detail-aufnahmen fernöstlicher Kunst vereint mit daoistischen Versen lassen die Weisheit des Daodejing erahnen.

Die Fotomotive sind liebevoll ausgewählt und gestaltet, zurückhaltend und schlicht, wie es dem Wesen des Dao entspricht. Spielerisch lassen sich die philosophischen Prinzipien ergründen: (Scheinbares) Nichthandeln, Verinnerlichung, Bescheidenheit. Allein, mit einem Partner oder in der Gruppe.
So genügt ein Vers für einen Tag, eine Woche oder länger, um zu einem tiefen Bewusstsein zu gelangen über anstehende Themen, über Leben und Sterben, über Schmerz oder Freude, über das Sosein und das Geschehenlassen. Ein beiliegendes Anleitungsbuch ermutigt dazu, das innere Erleben, Gedanken und Gefühle im Taijiquan, im Qigong oder anderen Bewegungsformen umzusetzen in freiem kreativem Ausdruck. Isolde Schwarz gibt Anregungen, beim Üben das Dao staunend und erkennend umzusetzen – verwurzelt zu sein wie eine Kiefer, sanft wie ein Kornfeld und nachgiebig wie das Wasser. Die geheimnisvoll anmutenden Verse und Bilder berühren die Sinne, den Körper, die Seele und den Geist.

Die Meditationskarten, in zurückhaltendem Grau schattiert, eingebettet in ziegelrotem Karton, sind ein kostbares Kleinod, ein Wegweiser durch die Gebote und Wandlungen des Lebens, denn »wer das Tao empfängt, wird nicht ausrutschen und fallen!«
(Christel Sperlich)

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TQJ 4/2008

Der Weg des Malens

DanThorsten Schirmer: »Der Weg des Malens – Betrachtungen über die Malerei Ostasiens«
Horus Presse 2007, 187 Seiten, limitierte Liebhaberausgabe 44 Eur[D]/45,30 Eur[A], ISBN 978-3-922556-00-8;
Kompaktausgabe 22 Eur[D]/22,70 Eur[A], ISBN 978-3-922556-02-2

In Ostasien gibt es verschiedene Methoden der Geistesschulung, einige davon sind bei uns bekannt und werden auch praktiziert, etwa Meditation, Qigong, Taijiquan oder auch das Bogenschießen. Dagegen hat der Weg des Malens bei uns noch wenig Beachtung gefunden. Die Grundprinzipien wie der Fluss des Qi, die Harmonie von Yin und Yang, das Prinzip von Wuwei, dem Nichthandeln, und die Einheit von Form und Leerheit sind dabei nicht nur im Prozess des Malens erfahrbar, sondern auch in der Betrachtung der Bilder alter Meister.
Thorsten Schirmer geht selbst den Weg des Malens. Dass er mit seinem ganzen Herzen dahintersteht, spürt man nicht nur an der Gestaltung – natürlich besonders bei der Liebhaberausgabe –, sondern auch an der inspirierenden Sprache, die manchmal allerdings etwas überschwänglich wird: »Jeder seiner Striche predigt ewige Gegenwart.«

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten beschreibt der Autor ausführlich die Geschichte der Malerei und die philosophischen Hintergründe von Daoismus und Buddhismus, deren gegenseitige Befruchtung und Gemeinsamkeiten. Der zweite Teil stellt exemplarisch 15 berühmte Bilder vor, ausführlich und einfühlsam besprochen, gefolgt von leider nur kleinen Bildchen, die nur ungenügend die Einzelheiten erkennen lassen. Auch wenn es kein Bildband sein soll, hätte ich mir doch größere Bilder in einer besseren Druckqualität gewünscht. Und auch sonst haben mir einige Details gefehlt. Wenn ich zum Beispiel erfahre, dass ein Bild eines der berühmtesten Gedichte der chinesischen Literatur illustriert, dann möchte ich dieses Gedicht auch gern lesen können ...

Der dritte Teil ist dem Vorgang des Malens selbst gewidmet, aber kein »How to do«, wie man es von anderen Büchern gewohnt ist, sondern eher eine Einführung in den Geist des Malens: »Eine erlernbare Technik ist die Überlieferung einer Methode, Striche in bestimmter Art und Weise auf den Malgrund zu setzen. Nicht erlernbar ist hingegen jener Strich, der aus dem Nichts entsteht.« Und es gelingt dem Autor tatsächlich, den Geist dieser Nicht-Methode ahnen zu lassen.
(Elvira Glück)

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TQJ 1/2009

Taiji in San Francisco

Martin Weteschnik: »Die Wege des sechsten Tages«
bendit publishing 2008, TB, 390 Seiten, 14,90 Eur[D]/15,40 Eur[A],
ISBN 978-3-00-024791-0

Martin Weteschnik, ein bekannter Autor von Schachbüchern und seit einigen Jahren auch ein Taiji-Spieler, hat einen Roman geschrieben, der diese beiden Hobbies vereint. Die Story spielt in San Francisco, die Hauptfigur ist ein junger Erwachsener, der seine letzte Woche vor dem Studium in Harvard noch mit Taijiquan und Schachspielen verbringen will. Doch so ganz ungestört, wie er sich diese letzten sechs Tage vorgestellt hat, werden sie nicht verlaufen. Er wird ungewollt in die Geschäfte seines Adoptivvaters, eines erfolgreichen Finanzmaklers (ja, der Roman ist nicht ganz aktuell ...) involviert, was ihn zusammen mit der intensiven Beschäftigung mit Taijiquan und der damit verbundenen persönlichen Entwicklung immer wieder zurückbringt zu traumatischen Erlebnissen seiner Jugend.

Der Roman ist recht klassisch aufgebaut, mehrere Stränge laufen anfangs nebeneinander, mitunter etwas verwirrend. Doch nach und nach verweben sie sich miteinander und es kommt zu einem furiosen Finale, das die aufgebauten Probleme löst und Raum für neue Entwicklungen entstehen lässt.

Interessant für uns Qigong- und Taiji-Übende ist der Versuch des Autors, östliche Lebensweisheiten im Aufbau und im Text seines Romans zu integrieren. Dabei bedient er sich überwiegend aus dem Daoismus und dem Zen. Das Einbinden dieser Weisheiten gelingt ihm durchaus unterschiedlich, mitunter für meinen Geschmack etwas zu »holzhammermäßig«, und manche Wiederholung hätte nicht sein müssen. Auch sind die Charaktere etwas zu idealisiert. Dass beispielweise der chinesische Taiji-Lehrer auch ein begnadeter Koch ist, gut und schön, aber warum muss er noch einer der weltbesten Sachertorten-Bäcker sein? Da ist die Verbindung von Ost und West etwas zu arg geraten.

Leider verliert der Roman durch solche Übertreibungen, etwas mehr Zurückhaltung hätte ihm gut getan. Dennoch ist er lesenswert, denn er zeigt Beispiele auf, wie die östlichen Weisheiten ins westliche Leben integriert werden können.
(Helmut Oberlack)

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TQJ 3/2010

 

Autobiografie eines buddhistischen Mönchs aus China

Sheng Yen: »Fußspuren im Schnee – Autobiografie eines buddhistischen Mönchs aus China«
Theseus 2010, 288 Seiten, 24,95 EUR (D)/25,70 EUR (A), ISBN 978-3-89901-286-6

Sheng Yen (1930 – 2009) ist einer der bekanntesten Meister des chinesischen Chan-Buddhismus, der mehr als 50 Bücher veröffentlicht hat. Doch in Deutschland kennt man ihn kaum und seine Autobiografie ist das erste Buch, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Allein diese Tatsache zeigt, dass der Chan-Buddhismus hierzulande weitgehend unbekannt ist, obwohl sich daraus die wesentlich bekanntere Form des Zen entwickelt hat und auch einige Qigong-Formen und Kampfkünste darin verwurzelt sind.

Die Autobiografie fasziniert, weil sie authentische Einblicke in die Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert mit all ihren politischen, sozialen und kulturellen Umbrüchen und Ausein-andersetzungen gibt, die aber immer dargestellt werden aus der Sicht des Mönches, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt und viele Schwierigkeiten in seinem Leben meistert. Früh konfrontiert mit den degenerierten Formen des Buddhismus, den Auswüchsen der Kulturrevolution und dem schwierigen Leben eines Soldaten in Taiwan, weicht er doch niemals von seinen ethischen und spirituellen Grundsätzen ab. Konsequent und zutiefst bescheiden geht er seinen eigenen Weg und wird zu einem der großen buddhistischen Lehrer seiner Zeit, der den Chan-Buddhismus in China reformiert und eine westliche Form der Lehre entwickelt und in Amerika verbreitet hat.

»Wenn der andere dich angreift, musst du dein Ichgefühl loslassen. Dann wird dein Gegner nicht wissen, wie er dich angreifen soll. Warum? Weil er nicht weiß, wo er dich angreifen soll. Das ist die Lehre des Nicht-Ich, Nicht-Geist.« So lehrte Sheng Yen seine ersten amerikanischen Schüler. Das Wichtigste beim Erlernen der Kampfkünste ist demnach die Schulung des eigenen Geistes entsprechend dem Chan.
In einfachen klaren Worten gelingt es ihm, den buddhistischen Stufenweg darzustellen, von der Sammlung des Geistes, über die Einung des Geistes bis hin zum Nicht-Geist. Ungewöhnlich offen beschreibt er auch seine eigene buddhistische Praxis und seine Meditationserfahrungen ohne jemals seine Bescheidenheit zu verlieren. Ein schönes, auch den Qigong-Weg inspirierendes Buch.
(Elvira Glück)

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TQJ 4/2008

Eine Gebrauchsanleitung für die Zeit

Stefan Klein: »Zeit. Der Stoff aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung«
Fischer Taschenbuch 2008, 320 Seiten, 8,95 Eur[D]/9,20 Eur[A]/16,80 CHF, ISBN: 978-3-596-16955-9

Wir alle leben (scheinbar) unter dem Diktat der Uhren, der äußeren, gemessenen Zeit. Aber was ist Zeit eigentlich? Ist sie etwas objektiv Gegebenes? Ist sie etwas von außen auf uns Einwirkendes? Ist der Rhythmus, in dem sich die Zeiger der Uhr bewegen, der, in dem wir uns bewegen müssen?
Stefan Klein, studierter Physiker, Wissenschaftsjournalist und ehemaliger Spiegelredakteur, erläutert auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Forschungsergebnisse, warum die Zeit zwei Gesichter hat: ein objektives (das tickende Maß der Uhren) und ein subjektives.

Diese zweite Seite ist Praktizierenden des Taijiquan und Qigong natürlich bestens vertraut. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass »der Schattenboxer im Park« vom Autor genauso als Beispiel für eine besondere Qualität der Zeitwahrnehmung angeführt wird wie das Erleben einer japanischen Teezeremonie.

Ganz im Trend heutiger Wissenschaft sind es vor allem die Erkenntnisse aus der Hirnforschung, mit denen der Autor die verschiedenen Facetten subjektiver Zeit erläutert. Gut strukturiert und sprachlich leicht nachvollziehbar werden Themen wie die Frage nach der biologischen Uhr bearbeitet, nach unserer Empfindungsfähigkeit für Zeitmaß (ab welchem Lebensalter haben wir ein Empfinden für Zeiträume und wie macht unser Gehirn das?), aber auch die eher psychologischen Aspekte des Zeitgefühls. In diesem Zusammenhang widmet er sich besonders dem Gedächtnis, das auf neurologisch verschiedenen Wegen Vergangenheit entstehen lässt. Und beleuchtet, was denn eigentlich unter Gegenwart zu verstehen sei – besonders interessant für alle, die das Verweilen im »Hier und Jetzt« üben.

Schließlich macht Stefan Klein deutlich, dass die sogenannte innere Zeit für unser Leben und Erleben eine weitaus größere Bedeutung hat als gemeinhin angenommen. Für unseren lebenspraktischen Vollzug am bedeutsamsten allerdings ist das Ausmaß, in dem wir unser Zeitgefühl – die innere Zeit – beeinflussen können. Denn mit dieser Erkenntnis, so Stefan Klein, ist dem sich von Zeitnot gestresst fühlenden Mensch der Gegenwart zugleich die Möglichkeit zur Selbstbefreiung aus diesem Stressfaktor gegeben.

Der Autor verpackt seine Tipps dazu in kleine praktische Hinweise und rechtfertigt so den Untertitel »Eine Gebrauchsanweisung«.
Welche Rolle Taijiquan und Qigong beim Einüben eines anderen Umgangs mit der Zeit spielen können und warum es funktioniert, dafür liefert dieses Buch einige gute Argumente.
(Dietlind Zimmermann)

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yogamusic

TQJ 2/2010

Yoga-Musik für alle

Jörn Erkau: »yoga music«
Hamburg 2009, CD, 69 min.

Jan Leminsky, der Inhaber der »Wu Wei Schule für Tai Chi und Qi Gong« in Hamburg, hat jahrelang gerne die Musik von Oliver Shanti & friends in seinem Unterricht verwendet. Als er das nicht mehr moralisch rechtfertigen konnte, machte er sich auf die Suche nach anderer Musik. Nach einer Zeit der vergeblichen Suche erzählte er dem Hamburger Musiker Jörn Erkau von seinem Problem und bat ihn eine CD zu komponieren.

Herausgekommen ist »yoga music«, die Jörn Erkau auch alleine eingespielt hat. Sie soll aber trotz – oder wegen – des Namens für alle Methoden, die Stress reduzieren, verwendet werden können, so auch Qigong und Taijiquan. Dieses steht im recht spartanischen, englischsprachigen Booklet ausdrücklich. Das glaube ich gerne, sind doch die Kompositionen im bewährten und oft verwendeten Muster gehalten: Grundlage sind langgezogene »Keyboard-Wellen«, zu denen dann Samples von anderen Instrumente und Geräuschen der Natur hinzugemischt werden.

Die CD ist durchgängig gut hörbar, mitunter konnte ich während des Übens die Stücke nicht unterscheiden. Erfreulicherweise haben die fünf Stücke eine Länge zwischen zehn und 16 Minuten. So ist es meistens möglich, einen Durchlauf einer Taiji-Form ohne einen Liedwechsel zu machen (von den Langformen mal abgesehen). Und auch für die meisten Qigong-Übungen sollte es reichen.

Mein Favorit ist das Stück »deep inside«, bei dem die auf den »Wellen« liegende Percussion mich sanft und stetig vorangetrieben hat, ohne dabei das Tempo zu sehr anzuziehen. Andere Stücke wie zum Beispiel das letzte »at home« waren mir zu unruhig und kamen auch in meinen beiden Testgruppen recht unterschiedlich an. Aber so ist es halt: Manchen gefällt die Musik, anderen nicht.
(Helmut Oberlack)

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