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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Aktuelle Ausgabe
34 – 4/2008

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Meditatives Üben als Selbsterkenntnis
Kulturübergreifende Betrachtungen
Von Alexandra Tschom

In verschiedenen Kulturen haben sich unterschiedliche Wege von Meditation und innerer Erkenntnis entwickelt, wobei sich die damit einhergehenden Erfahrungsprozesse durchaus ähneln. Vor diesem
Hintergrund verbindet Alexandra Tschom ihre Erfahrungen aus Qigong und Taijiquan mit den Erkenntnissen westlicher Mystik. Letztere betont ebenso wie die östlichen Lehren die Notwendigkeit, »sich selbst zu vergessen«, wobei jedoch von einer tieferen und vollkommeneren Ich-Struktur
ausgegangen wird. Diese bietet eine Grundlage zu Selbsterkenntnis und Selbstreflexion. Die geduldige alltägliche Übung kann zu einer Reise zu neuen Aspekten der Persönlichkeit, zur Entdeckung tieferer Schichten des eigenen Ichs werden.

 

»Die Künste müssen erhalten bleiben«
Interview mit Dr. Yang Jwing-Ming zu seinem Zehn-Jahres-Retreat

Der international bekannte Lehrer für chinesische Kampfkunst und Qigong Dr. Yang Jwing-Ming hat in diesem Jahr sein lange geplantes Zehn-Jahres-Retreat mit fünf Schülern in einem neu gebauten Zentrum in Kalifornien begonnen. Im Interview mit dem Taijiquan & Qigong Journal berichtet er
davon, wie dieses Vorhaben entstanden ist und welche Voraussetzungen die Teilnehmer erfüllen mussten. Er hofft, durch diese intensive Schulung, die daran orientiert ist, wie in früheren Zeiten die Kampfkünste und Qigong weitergegeben wurden, sein gesamtes Wissen und seine Fähigkeiten für kommende Generationen zu erhalten.

 

Achtsame Sinnlichkeit
Qigong und Tango Argentino
Von Cornelia Lambert

Cornelia Lambert hat neben ihrer intensiven Qigong-Praxis das Tango-Tanzen als weiteren Weg zu Freude, Harmonie und Selbsterkenntnis entdeckt. Sie beschreibt ihre Begegnung mit dem Tango und die Verbindungen, die sie zwischen beiden Bewegungskünsten erlebt.
Die Achtsamkeit, die sie im Qigong entwickelt, ist beim Tango vor allem auf den Tanzpartner gerichtet.

 

Die fünf Bewegungsrichtungen im Taijiquan
Von Frank Marquardt

Die fünf Bewegungsrichtungen bilden zusammen mit den Grundenergien die sogenannten Grundtechniken des Taijiquan. Ebenso wie bei diesen erschließt sich ihre weitreichende Bedeutung erst im Laufe längerer Übungszeit. Frank Marquardt erläutert ihr Zusammenspiel aus der Sicht des Chen-Stils. Die Basis bildet ein stabiles Gleichgewicht, das durch die Übereinstimmung von Schwerpunkt und Standpunkt beziehungsweise von Geist und Körper zustande kommt. Ausgehend vom Gleichgewicht der Mitte bewegt sich der Körper nicht nur in eine Richtung, sondern jede Bewegung schließt entsprechend der Harmonie von Yin und Yang gleichzeitig die Gegenrichtung ein. Aus einer Verbindung mehrerer Richtungen entsteht eine spiralförmige Kraft, die in ihrer Komplexität für einen möglichen Gegner schwer zu verstehen ist.

 

Heilung aus dem Herzen
Theorie und Praxis des Shen Gong
Von Christoph Stumpe

Das Herz spielt im gesamten Organismus eine führende Rolle und wird daher in der chinesischen Medizin auch als »Kaiser« bezeichnet. Christoph Stumpe hat eine spezielle Qigong-Form entwickelt, die die Herzenergie in den Mittelpunkt stellt und eine harmonisierende Wirkung auf den Körper, die Emotionen und den Geist hat. Durch stille Übungen, die vermehrt Shen in den Körper leiten und die drei Dantian entwickeln, sollen Stagnationen der Herzenergie gelöst und die Selbstheilungskräfte gestärkt werden. Dies wird vor allem über eine größere Bewusstheit im Herzzentrum erreicht.

 

Ein Weg in die Leere
Die drei Phasen der Sitzmeditation des Chen-Taijiquan der WCTAG
Von Jan Silberstorff

In der letzten Ausgabe hat Jan Silberstorff den Prozess der von ihm in Absprache mit Großmeister Chen Xiaowang entwickelten Drei-Phasen-Meditation vorgestellt. Auf dieser Grundlage erläutert er die praktische Umsetzung jeder einzelnen Phase und ihre spezifische Wirkung im Zusammenhang mit dem Taiji-Entwicklungsweg. Von der einfachen sich ständig wiederholenden Bewegung im Sitzen führt diese Meditation zur bewegungslosen Konzentration auf das Dantian und schließlich zur
geistigen Leere, die wiederum im Laufe des Übens immer tiefer erfahren wird.

 

Mao Dun – der Widerspruch
Von Wang Ning

Unsere chinesischen Lebenskünste sind stark geprägt vom Yin/Yang-Prinzip, der Harmonie der Gegensätze. In der chinesischen Philosophie gibt es jedoch auch ein diesem entgegengesetztes Bild, Mao Dun, den durch Schild und Speer dargestellten Widerspruch. Es wurde in der Mao-Zeit
exzessiv benutzt, um die Unvereinbarkeit verschiedener Auffassungen und unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen hervorzuheben. Auch wenn inzwischen das Streben nach Harmonie wieder stärker im Vordergrund steht, zeigen sich in Mao Dun der Ausgangspunkt von Konflikten und die Schwierigkeit, in jedem Fall dem Prinzip von Yin und Yang zu folgen.