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Die Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden

Zusammenfassungen
Aktuelle Ausgabe
40 – 1/2010

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Ein fliegender Drache am Himmel
Das Buch der Wandlungen
Von Dr. Henrik Jäger

Das Yijing ist eines der großen Weisheitsbücher der Erde. Es ist gleichzeitig einfach und klar strukturiert und schwer zu verstehen. Der Sinologe Henrik Jaeger, der in seinem Üben und Unterrichten die chinesischen Klassiker und das Taijiquan verbindet, erläutert den Aufbau des Buches der Wandlungen als Anleitung zu einem tieferen Verständnis des Lebens und der eigenen Situation. Aus der Erkenntnis erwächst die Verantwortung für das eigene Handeln. Nach dieser allgemeinen Einführung wird Henrik Jaeger in der nächsten Ausgabe auf die Bedeutung des Yijing für das Taijiquan eingehen.

 

Kämpferisches Training
Taijiquan als Selbstverteidigungssystem
Von Ulf Angerer

Auch wenn allgemein bekannt ist, dass Taijiquan als Kampfkunst entstanden ist, gibt es doch nur wenige, die es heutzutage als solche ausüben. Ulf Angerer stellt das von ihm praktizierte Trainingssystem vor, mit dem in zwei langjährigen Phasen die Umsetzung in realen Selbstverteidigungssituationen erlernt wird. Über eine detaillierte Analyse der einzelnen Bewegungen der Taiji-Form und eine an den Anwendungsmöglichkeiten ausgerichtete Übungsweise sollen Körper und Geist dahingehend geschult werden, dass sie im Ernstfall intuitiv optimal reagieren.

 

Aufnehmen und transformieren
Die Wandlungsphase Erde
Von Joachim Stuhlmacher

Die Erde bildet das Zentrum der fünf Wandlungsphasen, sowohl bei ihrer Platzierung in der Mitte als auch bei einer Zuordnung zum Spätsommer, sozusagen der Mitte des Jahres. Neben Magen und Milz gehört zu ihr in der klassischen chinesischen Medizin auch das Herz. Dessen Impulse sollen auf der Erdebene ins Handeln, in den konkreten Alltag umgesetzt werden. Die Hauptaufgabe der Mitte sind Aufnahme, Transformation und Verteilung, und zwar nicht nur von Nahrung, sondern von allem, was wir »verdauen« müssen. Joachim Stuhlmacher weist darauf hin, dass die stabilisierende Funktion des Erdelements auch eine wichtige Rolle für das Immunsystem spielt.

 

Erde – zu Hause sein
Von Ursula Rimbach

Um die Zuordnungen der Wandlungsphase Erde verständlich zu machen, erläutert Ursula Rimbach die verschiedenen Kreisläufe vor dem Hintergrund der jeweiligen geschichtlichen Verhältnisse. Das wesentliche Potenzial der Erde sieht sie in mütterlicher Akzeptanz und Versorgung. Mit einem ausgeglichenen Erdelement können wir uns in uns selbst sowie in unserer Umgebung wohl fühlen und zur Ruhe kommen. Wir haben eine stabile Basis, um uns weiterzuentwickeln. Ist unsere Basis jedoch gestört, verunsichert, werden davon Körper, Seele und Geist in Mitleidenschaft gezogen. Qigong und Taijiquan können helfen »wieder in die Mitte zu kommen«.

 

Mulanquan
Bewegungskunst im Namen einer chinesischen Legende
Von Kong Shenfang und Jan Harloff-Puhr

Die chinesischen Kampfkünste blicken nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern befinden sich nach wie vor in lebendiger Entwicklung. Ein Beispiel dafür ist das Mulanquan, das in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden und ausdrücklich auf Frauen ausgerichtet ist. Es basiert auf dem Huajiaquan und wurde wie dieses nach Hua Mulan, der berühmten Kriegsheldin, benannt. Ying Meifeng integrierte bei der Entwicklung ihre Kenntnisse aus Qigong, Taijiquan und anderen Kampfkünsten, rhythmischer Gymnastik und Bühnenchoreographie und schuf verschiedene Formen, die einen tänzerischen Charakter haben und besonderen Wert auf Ästhetik legen. Kong Shenfang und Jan Harloff-Puhr stellen das Mulanquan vor, dessen Wirkungen auf Körper, Geist und Seele sowohl auf energetischen Zusammenhängen als auch auf dem sportlichen Training beruhen.

 

Einheit erfahren
Daoismus und Ganzheit in der modernen Physik
Von Dr. Imke Bock-Möbius

Spätestens seit Fritjof Capras »Tao der Physik« werden immer wieder Bezüge zwischen moderner Physik und östlichen Philosophien hergestellt. Dr. Imke Bock-Möbius tut dies explizit aus dem Blickwinkel des Qigong, das sie als praktizierten Daoismus der Gegenwart empfindet. Im Qigong können Übende einen Zustand von Natürlichkeit erleben, in dem die Einheit mit dem Dao erfahrbar wird. Es kann damit einen Weg zu mystischer Erkenntnis bilden, der das Komplement zur naturwissenschaftlichen Erkenntnisfindung darstellt. Im zweiten Teil des Artikels, der in unserer nächsten Ausgabe erscheinen wird, rekapituliert die Physikerin die Implikationen, die die Ergebnisse der quantenphysikalischen Forschung des letzten Jahrhunderts für das vorherrschende Weltbild haben, insbesondere das Phänomen der »Verschränkung«, das seinerseits die Einheit in der Natur verdeutlicht.

 

Jia – die Familie
Von Wang Ning

Die Familie ist der wichtigste Grundbaustein der chinesischen Gesellschaft, ihren Interessen kommt eine viel größere Bedeutung zu als individuellen Anliegen. Das Schriftzeichen umfasst dabei gleichzeitig das Zusammenleben und die dazu notwendige »Domestizierung«. Wang Ning erläutert, dass die hierarchische Ordnung innerhalb der Familie mit ihren Regeln und Verbindlichkeiten gleichzeitig als Modell für die Ordnung des Staatswesens gilt.